01. & 03.09.2016 – Unplugged auf dem Theaterschiff und volle Kraft voraus auf dem Bassinplatz, Potsdam

Jetzt wo in den Geschäften endlich wieder die Weihnachtszeit beginnt, beenden wir nochmal ordentlich die Open-Air-Saison, die in diesem Jahr für uns sehr reichhaltig war und mit dem Fabelhaften Rock in Caputh seinen Anfang nahm.

1. September, Theaterschiff: Der Kahn der guten Laune

Am Donnerstag war ja so einiges los hier in Potsdam. 1300 Polizisten, 40 OSZE-Außenminister, 1 Bullgine-Konzert. In dem Zusammenhang, weil man ja wissen musste, wann man wo nicht durchkommt, hab ich mich erstmals länger als 5 Sekunden auf Twitter aufgehalten – da wo die Rautetaste häufiger vorkommt als vollständige Sätze und wo sie vor allem nicht mehr Rautetaste heißen darf, sondern nur noch Hashtag.

Also, besagte Außenminister unter Leitung von Steinmeier (#Steini) hielten an diesem Donnerstag ein sogenanntes informelles Treffen ab. Wie man auf einem Foto sieht, das ein Minister aus irgendeinem No-Name-Land aus dem Sitzungssaal getwittert hat war das aber nichts anderes als ein gut bewachtes Kaffeekränzchen (#KaffeeundKuchen). Danach oszelierten die hohen Herren noch in verschiedenen öffentlichen Verkehrsmitteln durch die abgeriegelte Stadt, zuerst per historischer Tram und dann per Äppelkahn. Mit an Bord war übrigens auch Brexit-Zottelomme Boris Johnson (#BoJo) bei seinem ersten offiziellen Besuch hierzulande. Eine zweifelhafte Ehre.

Die Kahnpartie hatte einen positiven Nebeneffekt für uns, wenn ich auch an der Humboldtbrücke ein paar Minütchen mank einiger erregter Mitbürger warten musste (#Wutbürger). Aber im Vorfeld der Dampferfahrt haben Tiefseetaucher die ganze Strecke nach Bomben abgesucht. Man konnte also mit der beruhigenden Info spielen, dass keine Wasserbomben explodieren werden. Und wann hat man bei einem Gig je diese unentbehrliche Gewissheit?

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Man kann aber von 1300 Pullezisten auch mächtig eingeschüchtert werden. Denn was bedeutet eigentlich OSZE? Etwa „Organisation für Sauberes Zusammenspiel im Entertainment“ (#Mukkerpolizei)? Haben die etwa unsere letzte Probe gehört, davon Bauchgrimmen bekommen wie Marcel von zuviel Chilisoße (#BoahAlterEy) und schließlich eine Prüfstaffel in die Spur geschickt, aus Angst, wir könnten öffentlich ihre Statuten verletzen? Naja, am Ende verlief alles glimpflich. Auf dem Oberdeck des Theaterschiffes (#KahnDerGutenLaune) war alles dermaßen entspannt und lauschig, dass man sich fast die Augen reiben musste. Die meisten Menschen waren keine Absichtshörer sondern Zufallsbullginekennenlerner. Unter anderem fanden sich dort eine Truppe unter dem Motto „Neu in Potsdam“ ein, die soweit ich mitbekommen habe, mit dem Abend recht zufrieden waren. Ist sicherlich nicht das schlechteste, mit uns in die Stadt einzusteigen.

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Zum ersten Mal haben wir auch mit Geldsammelhut gespielt, ein Novum, dass sich ausgezahlt hat (#MeinHutDerHatDreiEcken). Vielleicht auch nur deshalb, weil jeder, der die Flucht ergreifen wollte, direkt an uns vorbei musste und sich deshalb zur Kohlenabgabe in Scheinform verpflichtet fühlte. Es gab aber auch Mehrwert für die Spender, immerhin hat jeder, der es wollte, eine Compact Disc erhalten (#CDisOK).

Was war das auch alles herrlich aufwandfrei. Dadurch dass wir mit Cajon (#HolzklotzZumSitzenUndDraufkloppen) spielten, war das Gepäck mühelos fahrradtransportabel und ruckizucki aufgebaut. Und wieder ab. Und so konnte ein gemütlicher Abend vergehen, ohne Bombe, ohne Radau aber mit wohligen Erinnerungen und neuen Bekanntschaften.

 

3. September, Bassinplatz: Eieiei -Ai Weiwei

Nur zwei Tage später ging es gleich weiter und es war wieder so eine entspannte Nummer, vom Aufwand her. Diesmal spielten wir auf dem Bassinplatz, mitten in Potsdam (#Bassi). Das mittlerweile 8. „Umsonst und Draußen“-Festival läuft wie eine gut geölte Maschine. Pünktlichkeit ist oberste Bürgerpficht, da wegen der benachbarten einzigen(?) katholischen Kirche Potsdams (#KaKiPo) strickte Zeiten eingehalten werden müssen. Punkt 18 Uhr hatte der Soundcheck fertig zu sein. Das brachte uns in den besonderen Genuss, die A-Capella-Stelle (#WieDiePrinzen) unseres neusten Songs P.A.R.D.A.L. von Glockengeläut untermalt zu hören.

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Dann musste es exakt eine Stunde Bühnenruhe geben und Punkt 19 Uhr stürmten wir die Bühne und legten los. Durch die vergangenen Konzerte waren wir gut geölt und der Platz hat sich trotz der frühen Stunde gut gefüllt. Mit illustrem Personal, wie später berichtet wurde. Es wurde mir versichert, dass sich der weltbekannte chinesische Künstler Ai Weiwei im Publikum befand. Ihr wisst schon, der systemkritische mittlerweile ergraute Herr, über den Spiegel Online jeden Tag mindestens drei Artikel im Kulturteil hat (#ManInTheMirror). Was der nun in Potsdam und dann auch noch auf’m Bassi getrieben hat, weiß ganz allein der Wind. Und natürlich der Weiwei. Ob ihn unsere Musik künstlerisch inspiriert hat, oder nur zum Toilettengang, ebenso.

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Was nach unserer halben Stunde Programm geschah, weiß ich nicht. Während unsere Proberaumnachbarn Glasscage performten, brachte ich unser Zeug in den Proberaum. Kurios: Um 20 Uhr mit dem ganzen Konzert inkl. drum und dran fertig (#SchnelleTruppe). Später bin ich nochmal hin und wir haben kollektiv den Abend gemütlich ausklingen lassen. Im Gepäck hatte ich Besuch aus Neuseeland (#Kiwi), der dachte, Rainer hätte Deutsch gesungen. Allerdings dachte er auch, dass Georg Björn heißt (#BjörnToBeAlive).

So jedenfalls ging also nahezu perfekt die Open-Air-Sesong 2016 zuende, so schön, wie sie begonnen hatte. Wir widmen uns jetzt neuen Songs und schauen mal, was der Herbst zu bieten hat. Bis bald.