19.11.2016 – Teston-Festival 2016

Privates Computerlogbuch der USS Bullgine, Cpt. Jean-Luc Guitar, Sternzeit Zwo-Null-Eins-Sechs Punkt Elf Komma Eins-Neun.

Die Bullgine hat einen Notruf aus dem Havel-Sektor erhalten. Auf dem Planeten Brandenburg würde dringend kulturelle Unterstützung benötigt. Wir sind mit Warp 5 dorthin gereist und wurden von den lokalen Repräsentanten im Haus der Offiziere empfangen.

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Dieser Ort war und nicht ungeläufig, denn vor zwei Jahren führte uns bereits eine ähnliche Mission hierher. Damals wie heute sollte eine Art Wettstreit stattfinden – mehrere Darbietungen buhlen um die Gunst des Publikums. Den Beginn macht dabei ein archaisches Ritual namens „Auslosen“, bei dem die Teilnehmerreihenfolge festgelegt wird. Damals zogen wir den Kürzeren, diesmal auch – es sollte also wieder ein Eröffnungsauftritt werden.

Aber ich wäre nicht der herzensgute und weise Captain Guitar, wenn ich nicht eine Lösung wider dieses Dilemma parat hätte. Denn diesmal wollte es der Zufall, dass ich auch mit einer Zweitformation antreten konnte, ein wiederentdecktes Relikt aus der Zeit, als ich noch Lieutenant auf der USS Ska-T war. Jetzt zu erleben als OttnGeee. Diese nicht unsonderbare Formation jedenfalls bot an, die Eröffnung zu übernehmen.

Wir brachten repräsentative Güter aus unserer Galaxie mit. Im Hintergrund: Dekorative Plasmafeldspulen.
Wir brachten repräsentative Güter aus unserer Galaxie mit. Im Hintergrund: Dekorative Plasmafeldspulen.

Und dann begannen die technischen Wartungsarbeiten. Warpspulen mussten neu kalibiert werden, um den Protonenausstoß zu regulieren. Dabei war zu beachten, das die Materie-Antimaterie-Matrix nicht überlastet wird, da es sonst zu erhöhtem Verteronzerfall in den Plasmageneratoren gekommen wäre. Und was dann passiert, kann sich ja jeder ausmalen…

Obwohl der Hauseigene Chefingenieur André alles gegeben hat, kam es zu einer signifikanten Verzögerung der Startzeit. Ich schaffte es gerade noch so, die geplante Replikatorration abzuholen – eine kochend heiße Spezialität namens Chili sin Carne. Lieutenant Raven äußerte im Nachgang seine Bedenken über dieses Mahl und auch Commander Käppler schien nur moderat angetan. Luschen.

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Direkt nach der Nahrungsaufnahme spielte ich also ein OttnGeee-Set und im Anschluss daran sofort das Bullgine-Programm. Es schien heute generell Probleme mit den Universal-Translatoren gegeben zu haben, denn beide Darbietungen hatten nicht hundertprozentig extatische Wirkung auf die Brandenburgianer. Allerdings konnte die auf uns folgende Kapelle signifikantes Kopfnicken erreichen. Eine uniform gewandete hiphoppende Formation namens DRE – so wie der bekannte Rapper amerikanischer Provinienz, bloß ohne akademischen Grad. Leider war bei den Herren wenig zu verstehen, obwohl sie doch so viel zu sagen hatten. Die einzige Phrase, die klar verständlich artikuliert wurde, war „Schwul auf der Couch“ – vielleicht ein Equivalent zum vulkanischen Gruß „Lebe lang und in Frieden“. Ich werde vielleicht eine entsprechende Subraum-Anfrage an den interkulturellen Rat der Sternenflotte schicken, um das zu ergründen.

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Anschließend gab es noch eine Darbietung einer geografisch orientierten Gruppe namens „Vor Rotterdam“. Doch die Brandenburgianer hatten ihr eindeutiges Votum bereits abgelegt – zugunsten derer von Dre. Für alle anderen gab es eine silberne Schallplatte als Trophäe, dotiert mit 250 Stickern, der einheimischen Währung, wie es scheint. Es handelt sich dabei um bunte, klebrige Papiere, die als Visitenkarte an Verkehrsignalanlagen u.ä. Plätzen hinterlassen werden sollen. Vielleicht klebe ich heimlich einen auf den Warpfeldgenerator im Maschinenraum. Ingenieur Schulze wird ganz schön komisch aus der Wäsche gucken.

Die kompletten künstlerischen Abordnungen. Commander Käppler und Lieutenant Raven geben womöglich schon die Chili-sin-Carne-Problematik zu Protokoll.
Die kompletten künstlerischen Abordnungen. Commander Käppler und Lieutenant Raven geben womöglich schon die Chili-sin-Carne-Problematik zu Protokoll.

Wir traten alsbald die Rückreise an, um den regulären Dienst wieder aufzunehmen. Um unseren guten Willen zu beweisen, verabschiedeten wir uns mit dem einheimischen Gruß: „Schwul auf der Couch.“