24.11.2018 – Eine wahre Geschichte von fehlenden Bassisten und fehlenden Bockwürsten. 24.11.2018 – Haus der Offiziere, Brandenburg/Havel

Teston Bandfestival zum Ersten, zum Zweiten – und zum Dritten. Ja, tatsächlich. Aus irgendeinem Grund ist das Teston für uns zur Biennale geworden, 2014, 2016 und nun 2018. Es war angenehm vertraut und diesmal doch anders.

Das fängt damit an, dass Marcel irgendwann feststellen musste, dass er ja gar keine Zeit hat, was sich natürlich negativ auf die Spielbarkeit auswirkt. Was tun? Die Flinte ins Korn werfen und auf die liebgewonnnene Tradition verzichten? Aber nein! Über drei Ecken kam ein uns bis dato unbekannter Matze daher und erwies sich als rettender Glücksgriff. Nicht nur, weil er einen Bass und Zeit hatte, sondern auch eine schnelle Auffassungsgabe. Tatsächlich hatten wir nur eine Probe als Komplettband mit ihm – ein paar Stunden vor dem Gig! Das mag man für riskant halten. Aber das ist unsere Form des Lebens am Limit, des beinharten Nervenkitzels für Nerven aus Stahlseilen – und es hat funktioniert.

Genau wie die Anreise mit der Bahn. Das HdO ist zum Glück strategisch günstig an einer Tramhaltestelle gelegen. Wir rüttelten zwar zuerst an der Tür des falschen Hauses (bevor jemand den Vogel zeigt: Es ist ja schon zwei Jahre her gewesen und die Größe der Hütte war fast gleich!), aber dann haben wir es doch noch in die vertrauten Hallen geschafft.

In den letzten Jahren gab es im Programm auch immer eine hippende Hopper-Truppe, die in ihren Songs das Motto des Abends durchgaben (2014 wurden alle „gebangt“ und 2016 waren alle „schwul auf der Couch“). Mangels Hoppernachschub in der Mark blieb uns das dieses Jahr aber verwehrt. Genauso wie die Auslosung der Spielreihenfolge, die immer damit endete, dass ich den Zettel mit der Startposition zog. Diesmal war alles im Vorfeld festgeschrieben und wir hatten eine ideale Spielzeit um 22 Uhr. Konnten wir also noch cool auf die Couch.

Und natürlich Spachteln! Dummerweise kam ich dazu zu spät. Es gab lecker Kartoffelsuppe. Es ist ein unumstößliches Naturgesetz, dass man zu Kartoffelsuppe Wurstbock hat, weiß ja jeder. Man kann sich natürlich vorstellen, wie einen das aus der kosmischen Umlaufbahn wirft, wenn der Topf voll Bockwürste vor der Nase alle gemacht wird. Und wer machte ihn alle? Die Jungs von der Band aus Halle! Es wurde gemunkelt, dass einer der Saaleplanscher sich gleich an drei Riemen gütig getan hat. Und ich und (der wieder mal sehr gute) Techniker André mussten wurstlos durch die Nacht. Mäh.

Zur Musik: Es begann geschmeidig mit Eric-Zobelschem Liedermachertum. Übrigens auch Potsdamer, genau wie die anschließenden Herren von Disaster. Irgendwie hängen alle auch mit welchen von uns noch aus Schulzeiten zusammen. Die Mark ist ein Dorf.

Dann kamen wir. Ersatze-Matze hat einen großartigen Job gemacht und bis auf etwas Technik-Hickhack am Anfang und einem kleinen Nochmal-Einstiegs-Intermezzo bei „The Explorer“ hatten wir einen ziemlich guten Gig. Leider nur eine halbe Stunde. Es hätte gern noch weitergehen können.

Nach uns spielten dann die bockwurstgestopften 51 Grad, ordentlichen Hallenser Punk, wie sich das gehört. Das schöne war, dass diesmal der Contest-Aspekt völlig untergeordnet war und im Band-Gefüge eigentlich keine Rolle spielte. Das machte alles schön entspannt. Zum Schluss hatten dann Haven einen akribisch vorbereiteten Debut-Auftritt – und zu Recht den Sieg eingetütet. Der Hauptpreis: 100 Kasetten! Das hat mich dann doch überrascht. Kasetten habe ich eigentlich nur noch im Kinderzimmer mit Benjamin Blümchen drauf verortet. Wer anders hat doch gar kein Abspielgerät mehr, oder? Man fühlt sich auf jeden Fall gleich in gute alte Demotape-Zeiten zurückversetzt, an die Glücklichen, die High-Speed-Dubbing hatten und so den Merchandisebedarf für’s nächste Konzert schneller vervielfältigen konnten. Aber das führt jetzt vielleicht doch zu weit, das war in meinem Fall im Jahr 1998 …

Wer weiß, was es beim Teston 2020 gibt, wenn wir vielleicht wieder traditionell dabei sind. Wachswalzen? Schallfolien? Retro-iPods? Endlich genug Bockwürste? Wir werden sehen…