21.06.2018 – Fête de la Musique, Stadion Babelsberg

Es kam Besuch. Geschätzter Besuch, wie jedes Jahr um diese Zeit. Die Rede ist natürlich von dem dicken, musikalischen Partygirl mit den französischen Wurzeln: die fette Lamühsick.
Zuverlässig kommt sie jährlich zum Sommeranfang vorbei, nur einmal hat sie geschwänzt, weil die Stadtoberen was gegen sie hatten. Und wir haben immer ne dufte Zeit mit ihr, egal ob vor Kneipen in der Innenstadt, ob im Kneipeninnenhof oder wie in diesem Jahr: bei unserem allerersten Stadion-Gig!
Warum auch immer hat man unser ältestes Bandfoto ausgewählt
Ja, ihr lest richtig: Wir haten eine Stadionmukke. Also an diesem eigenartigen Riesenklumpen in Babelsberg, der inmitten der zierlichen Weberhäuser, deren Bewohner nicht größer als 1,63 m sein dürfen, wie ein ziemlicher Fremdkörper wirkt. Wie ein kantiges Ufo, aus dem gelegentlich wilde Horden stürmen und sich versuchen, gegenseitig, na sagen wir mal gelinde, zu necken. Lauthals. Tatsächlich ist es eigentlich ein angeberisch aufgemachter Bolzplatz, wenn man’s mal genau nimmt, mit englischem Rasen und sehr hohen Lampenstativen.
 
Ich hatte ja schon große Sorge, dass König Diktator Fußball uns, gerade in diesem Ambiente, wie alle zwei Jahre das Publikum verhagelt. Bekanntlich ist ja eine WM oder EM der Todesstoß für jede andere Art von Kultur, v.a. wenn „wir“ spielen, wie es immer so schön heißt.* In diesem Jahr läuft das alles aber, zumindest bisher, vergleichsweise unauffällig ab, und auch hier im Stadion, wo man mehr Balla-Balla-Trubel erwartet hätte, war das Zuschauen beim Bolzen nur Nebensache. Viel mehr wurde das Wetter besprochen – nach Wochen und Monaten wüstenartiger Dürre war ausgerechnet der Sommeranfang der erste Tag mit starkem Wind, mauen Temperaturen und Regen. Gut für die Pflänzelein, schlecht für den Publikumsverkehr. Zu unserer Spielzeit ging es aber wieder und es war genug Publikum da, v.a. wenn man bedenkt, dass es ja auch noch 47 weitere Fete-Bühnen in der Stadt gab.
 
Die Bühne, wenn man das bisschen Kunstrasen mal so nennen möchte, befand sich also vor den Toren des Stadions, unter dem Schild „Getränkestützpunkt“. Kein gänzlich unpassendes Banner eigentlich. Und Astra stand drauf.
 
Apropos Astra – ASTRAin war auch das Improvisationstalent von Marcel. Dem riss nämlich zum ersten Mal eine Saite, die tiefste noch dazu. Aber anstatt Merkel die Schuld zu geben, in Selbstmitleid zu versinken und zu schmollen, was macht er? Stimmt den Rest runter und zuckelt einfach weiter. Auch ne Methode. Nichts für Perfektionisten und Mukkerpolizisten, aber für Pragmatiker durchaus geeignet. Und bestimmt der richtige Spirit für Frau Lamühsick. Wir sehen uns hoffentlich nächstes Jahr wieder.
 
 
* An dieser Stelle sei der Vollständigkeit halber nochmal erwähnt: Die fußballkritischen Töne spiegeln lediglich die Sicht des Verfassers, nicht aber seines gesamten Musikkollektivs wieder. Da gibt es auch ganz andere Meinungen.