13.05.2017 – Berlin, Blackland


Mal wieder ein Gastspiel in Berlin. Prenzlauer Berg. Geografisch zwischen Max-Schmeling-Halle und Velodrom. Vom einem Aspekt her ist man dort offenbar von den großen Venues beeinflusst, im Blackland, dem Ort des Geschehens, dazu später mehr.

Blackland – klingt ein bisschen wie Kaufland für R’n’B-Freunde, ist es aber nicht. Man passiert erstmal einen gigantisches Ernst-Thälmann-Denkmal. Der große Widerstandskämpfer regt trotzig die Faust in die Luft, den Fakt ignorierend, dass fast alle Thälmann-Straßen der Republik mittlerweile neue, belanglosere Namen bekommen haben. Dann steht man plötzlich vor zwei original atztekischen Götzen, die ins Lokal führen, dem Portal vom Portal eines an „Spuk im Hochhaus“ erinnernden Plattenbauviertels. Hinter den Götzen muss man die Probe bestehen – wie bei „Ritter der Kokosnuss“, wo ein Brückenwärter drei potentiell unlösbare Aufgaben stellt. So auch hier – ein vierschrötiger Metal-Urgesteinler lässt einen, wenn überhaupt, nur nach eingehender Analyse ein. Oder man zahlt die 13 Euro Eintritt. Das sind 26 Mark. Für die Kohle ist mein einer Bruder damals zu den Ärzten reingekommen und die Leute haben sich über Wucher beschwert! Das hat er zumindest erzählt.

Live im Prenzlberg Dungeon

Drinnen erwartet einen eine Mischung aus Kunstnebelmief, Schädel-Kitsch, Gitarrenmuseum, gemütlicher Kneipe und Lederjackenbandplakate. Tjaja, das Blackland ist ein alteingesessener, scheinbar auch von Fachprominenz hochfrequentierter Metal-Schuppen. Entsprechend sind die Wände voll von düsteren Plakaten von Bands mit zum Teil unleserlichen und schauerlichen Namen, so in Richtung Fleischdurst, Kehlenschlitzer, Stechhaus, etc. pp. Der grausigste Name auf einem Plakat war aber wahrscheinlich „Jutta Weinhold Band“ – knallhart und deshalb selbstverständlich ohne grammatisch korrekte Bindestriche!

Man beachte die authentische Schädel-Diskokugel

Und in dem Ambiente spielten wir dann. Und es war ein ganz bekömmliches Konzert. Wir waren gut in Form und haben für jeden der 13 Euro Eintritt einen Song geboten. Ist doch eine verbraucherfreundliche Bilanz. OK, die nachfolgende Band hat 2 Stunden Programm gespielt. Allerdings war das auch Nirvana-Cover, und da gehört (bei allem nötigen Respekt gegenüber den Jungs, die das sehr gut umgesetzt haben) nicht allzuviel dazu (ja, ich geb’s zu, ich find Nirvana mies, dafür hab ich mir schon viel Kritik eingehandelt). Bemerkenswert ist übrigens der Bandname, der den Nagel ziemlich genau auf den Kopf trifft – sie heißen „Nirvana Tribute Band“. Wenn wir mal groß sind, nennen wir uns vielleicht „Bullgine Tribute Band“, hat doch auch was.

Die Exponate im Blackland waren aber bemerkenswert, u.a. ein von Lemmy (selig) signierter Bass und ein Original-Bass der Clawfinger. Alles sorgsam in Glasvitrinen gelagert, bewacht von übergroßen, massiv bewaffneten Schädel-Außerirdischen (oder Orks oder Teletubbies, ich weiß es nicht genau) aus dem Cosplay-Nerdshop. Da kommt bestimmt nichts weg.

Dieser junge Mann passt auf, dass keiner an den Clawfinger-Klampfen rumfriemelt. Und hoffentlich auch, dass niemand was von Helene Fischer spielt.