08.09.2017 – Sommerfest in Bad Belzig – durch die Flasche gesprochen

Nun sitze ich hier und überlege, was man über einen Auftritt in Belzig schreiben kann, nachdem man vor einigen Tagen erst dort gespielt hat. Diesmal also über einen Gig bei GP Kräft – wobei das GP weder für Geile Party, noch für Gepflegt Pinkeln oder Geriatric Patriots steht, sondern ganz sachlich für Getränke-Partner (wobei es im Brandenburger Jargon dann eigentlich JK sein müsste – Jetränke-Kumpel).

Wie der Zufall so will, war ich vor Kurzem im Potsdamer Braukontor beim Herrn Hippie und habe dort Kräftbier, äääh Craftbeer erworben, also hochbudgetierte, handwerklich hergestellte Hype-Molle (also Bier, wo man auf dem Rücketikett lesen kann: „Die Verbindung aus Hipster- und Superhype-Hopfen sorgt für das einzigartige Zusammenspiel von vollmundigem, prallem Schaum mit zarten Noten von Bio-Zitrone, Bergpfirsich und frisch gekämmtem Katzenhaar“ oder so). Eben jenes Bier steht nun vor mir und bringt mich auf die Idee: Warum sollte man das Konzert nicht mal aus Sicht einer Bierflasche schildern? Immerhin sind die ja irgendwie immer beim Konzert dabei. Nun denn: 

Kräftiges Plakat

Kalt ist mir. Vor zwei Tagen räumte mich eine Dame mit blauem Kittel in den Kühlschrank, hier im Belziger Getränke-Partner Kräft. Meine Gesellschaft? Alles nur Flaschen. Heute ist hier aber irgendwas anders – eine große Bühne auf dem Hof, ein Bierwagen und so. Dann macht es Brumm und Bromm und Tucker Tucker – drei KFZ aus Potsdam kommen an. Nach einiger Rumeierei bekommen drei von den Mitfahrern vom Chef höchstpersönlich einen leeren Bierkasten, quasi einen Omnibus für Flaschen wie mich. Man hat den Heinis förmlich angesehen: Sie sind im siebten Schlaraffenland-Himmel. Sie dürfen sich aus dem Kühlschrank mitnehmen, was sie wollen. Bitte Jungs, steckt mich ein! Alles ist besser, als im Kühlschrank zu frieren.

Jawollja, es hat geklappt. Schon reise ich mit 19 Kollegen aus Krostitz (Sachsen), Bremen (Bremen), Leoben (Steiermark) und Dublin (Irland) in die Garage gegenüber. Ein paar Mitstreiter werden gleich geköpft. Macht’s jut, Jungs. Vielleicht sehen wir uns im Leben nach dem Tod drüben im Toilettenwagen mit den DDR-Wasserhähnen und dem kampferprobten Aroma wieder. Das nennt man bei uns Getränken übrigens PR-Abteilung – Abteilung Pissrinne.

Die Typen hier sind Musikanten, sollen zum 25. Jubiläum vom Laden beim Kräft-Sommerfest spielen. Die einen heißen so ähnlich wie dieser Muskelprotz aus Österreich. Nee, nicht Schwarzenegger. Ich meine den schmierig-süßen Heini aus dem Kühlschrank nebenan, Red Bull. Also die Band heißt Bullshit oder so ähnlich. Die anderen Fool’s Garden? Nee. Nelly Furtado? Nee. Achso – Fortunate Fools. Dumm nur, dass das Wetter zum Mäuse melken ist. Bei uns in Flaschenkreisen sagt man: Wenn du dein Sternburg nicht austrinkst, gibt’s morgen schlechtes Wetter. Muss wohl gestern so gewesen sein. Kann man den Leuten aber auch nicht übelnehmen. Na was denn? Nicht aufregen, bei Sterni sind auch wir Halbliterbiere Snobs.

Naja, die Stimmung ist trotz allem gut, die belegten Schrippen scheinbar auch, und den Techniker scheinen die Musiker auch zu mögen. Offenbar haben sie mit dem vor kurzem schonmal hier in Belzig was gemacht, aber da war ich nicht eingeladen, da gab es nur schnöseliges Fassbier. Aber es müssen damals viel mehr Leute da gewesen sein. Hier verirren sich leider nur sehr wenige her. Schätzungsweise für jedes Jahr des Firmenbestehens ein Leut. Schade für’n Chef. Aber the show must go on, oder wie das heißt. Die Leute, die da sind, trotzen jedenfalls dem Mistwetter. Respekt, Herrschaften!

So, Bullshit (ach nee, die haben gesagt, sie heißen Bullgine) haben gespielt. Schöne Bühne, gute Organisation, viel Platz. Und der Regen hört sich an, als würde der Himmel applaudieren. Ein bisschen Poesie sei als letzte Worte erlaubt, denn da kommt einer von den Bullgine-Bleppos. Durst treibt ihn zum Flaschenmord. Auf wiedersehen, ich verzisch’ mich, im wahrsten Wortsinn. Vielleicht sieht man sich im im Leben nach dem Tod, dem Sto’Vo’Kor, wie die Klingonen sagen. Also in meinem Fall in der PR-Abteilung…