17.02.2018 – Potsdam, Archiv

Da war er wieder, der Jahresanfangsgig im Februar. Wie jedes Jahr kam er überraschend rein und wie jedes Jahr fand er in einer Potsdamer Institution statt. Nach Casino, Charlotte, Freiland und wieder Charlotte diesmal erstmals mit einem Vokal vorweg: Archiv.

Hier könnte ich mal wieder tief in der Erinnerungskiste grabbeln, von Auftritten vor 16 Jahren palavern, von Wolters Pilsener und Daily Terrors Pedder, der mittlerweile mausetoten Punkrock-Legende schwadronieren, und was man hier eben noch so erlebt hat. Eines kann ich aber mit Stolz behaupten: Auch wenn es das Ambiente quasi vorschreibt, habe ich es geschafft, hier noch nie ein Sternburg-Bier zu trinken. Der Kopf dankt’s.

Wie es sich für ein solches Lokal im Winter gehört, war es kalt, gab es Bolleröfen, veganes Chili, preußenverunglimpfende Gemälde (na gut, die sind wohl doch eher eine nachvollziehbare Spezialität des Hauses) und einen Haustechniker mit Erfahrung, Know-how und gebrauchten Ohren. Und er hatte eine Stromversorgungsinfrastruktur auf der Bühne, die phänomenal ist, oh ye-heah. Der Traum jedes aufbauenden Musikers (wenn es denn kein Sänger, Schlagzeuger oder Blockflötist ist).
Beeindruckend war auch der Topteil-Turm, den die Bassisten sich aufgebaut haben. Aus welchen Gründen auch immer da mehr Verstärker als Basser waren, steht in den Sternen, aber lassen wir den Viersaitzupfern diese kleine Freude im kalten und kurzen Februar.

Sludge, das war die eigentliche musikalische Ausrichtung des Abends. Da dürfen wir wohl aus Außenseiter im Teilnehmerfeld gegolten haben. Zur Begriffsklärung: Sludge hat außer mit uns auch nichts mit eiskristallinen Süßgetränken zu tun, und auch nichts, wie man evtl. vermuten könnte, mit einem Nutten-Sachverständigen (Slut-Judge, kurz Sludge), auch wenn mancher Sludgemusiker vielleicht nebenbei auch dieser Gattung zuzurechnen ist, kann ja sein. Interessant aber, dass der Drummer der Band nach uns mich von der Gesichtsgestik her an das berühmte Selbstportrait Albrecht Dürers erinnerte (ihr wisst schon, der Renneßangs-Hoschi mit dem Häschen-Bild).
Was scheinbar auch zum Sludge oder Doom oder was auch immer gehört (reine Spekulation an dieser Stelle): Seeeeehr viel Hall auf der Stimme. Ich habe mal versucht, auf die Lürrix der letzten Band zu achten, das war das effektbedingte Ergebnis:

Hödööö – hänenene
Rülps, Blök, hämämämämää.

Ich glaube aber, diese Analyse wird den eigentlichen Inhalten nicht gerecht. Ich seh auch gerade auf dem Plakat, dass die Band nicht Sludge/Doom spielt, sondern Schwarzmetall/Doom. Nun kenne ich mich mit den Unterscheidungen nicht so aus. Vielleicht ist Hödöö ja auch der Ordensgesang im Temple of Doom, wer weiß. Hab den Film lange nicht gesehen.

Jedenfalls haben wir den musikalischen Reigen eröffnet und das ist uns recht gut gelungen, denke ich. Wenn es auch keine neuen Weltpremieren oder sonstige Überraschungen gab, die Konzertsaison 2018 sei eröffnet. Und wie jedes Jahr wissen wir an dieser Stelle noch nicht, was uns erwartet. Außer, dass das der letzte Gig war, für den wir im alten Proberaum geübt haben. Aber das ist eine andere, nicht untraurige Geschichte.