07.11.2015 – Berlin-Frohnau, Rock am Platz

Relativ kurzfristig kam der Bescheid, dass wir für die traurigerweise dahinscheidende Kumpel-Kapelle San Quentin beim „Rock am Platz“ antreten können.

Also radelten wir am Samstag zur Abwechslung schon Vormittags zum Proberaum. Ankunft allerseits verschwitzt, weil es für November überraschend sommerlich warm und schwül war. Praktischerweise gab es nur kleines Gepäck zu verladen und ein Kraftfahrzeug Gattung Kombi genügte, um uns nach Downtown Frohnau zu schaffen, jenem vor 100 Jahren erschaffenen Berliner Randbezirk, der unter Umständen deshalb zu Reinickendorf gehört, weil sich hier womöglich Reinicke Fuchs gelegentlich mit Meister Lampe gute Nacht sagt – ein Naturschauspiel, das wir vor unserem Proberaum übrigens tatsächlich schon beobachten durften.

Jedenfalls war die Fahrt nach Frohnau im beengten Wagen dann zufällig auch die Fahrt zu unserem 20. Konzert – und zu unserem ersten in Westberlin und somit dem ersten in den sogenannten gebrauchten Bundesländern. 13 Uhr waren wir schon da, am Gemeindesaal der ansässigen Kirche und damit dem Traditionsspielort des nunmehr 11. Rock am Platz. Absurd: 14:08 waren wir mit Soundcheck fertig und gingen zwecks Zeitüberbrückung nach Draußen. Der Tag steckte also fast noch in den Kinderschuhen, in einer Situation die sonst allenfalls gegen 20 Uhr eintritt. Und was macht man dann? Natürlich Lokalkolorit genießen. Wir flanierten also durch die zwei Verkehrszirkel zwischen Kirche und S-Bahnhof, geprägt durch den markanten Kasinoturm nebst Pizza/Döner/Burgerbude. Der Hotspot in Happynow, alles erdacht vom Dreamteam Gustav Hart und Alfred Lässer, den Architektur-Homies der damaligen Saison.

Froh in Frohnau: 5 Heinis und die lokale Bikerszene im Schatten des Kasinoturms
Froh in Frohnau: 5 Heinis und die lokale Bikerszene im Schatten des Kasinoturms

Nachdem einige Zeit mit Klönschnack und Selfies verstrichen war (naja, es saßen halt fünf Prolls mit Molle auf einer begrünten Verkehrsinsel), gingen wir zurück zum Festival. Eine von vielen wirklich engagierten Ehrenamtlern wohlorganisierte Veranstaltung mit hohem Wohlfühlfaktor.

Es war nicht das erste Mal in unserer zwanzigkonzertigen Laufbahn, dass wir vor dem Sandmännchen spielten (das war nämlich HIER schon der Fall). „Downside Up“ spielten wir etwa zur allerbesten Abendgrußzeit. Der Saal war groß, die Zeit früh, also rappelvoll war es noch nicht. Aber es gab eine gute Zahl junger Menschen, die sich nicht scheuten, headbangenderweise den Kunstnebelkaskaden zum Trotz vor der Bühne Zustimmung zur unserer Darbietung zu demonstrieren. Danke, Leute.

"Sandmann, lieber Sandmann, wir spieln zur gleichen Zeit. Nur sind wir viel, viel lauter als du, darum leg dich bald zur ruh, wir ham noch Bierchen lang Zeit"
„Sandmann, lieber Sandmann, wir spieln zur gleichen Zeit. Nur sind wir viel, viel lauter als du, darum leg dich bald zur ruh, wir ham noch ein Bierchen lang Zeit“

Halb 7 waren wir dann schon fertig und trollten uns alsbald (nachvollziehbarer Wunsch des Fahrers) wieder in heimische Gefilde. Um 8 also, wo sonst der Soundcheck rum ist, ist hier schon Feierabend. Auch mal interessant. So wird es Gerhard Schöne wohl immer erlebt haben. Es konnte also ganz entspannt und zufrieden in die normale Samstagabendgestaltung eingeschwenkt werden.

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