30.08.2014 – Altstadtsommer, Belzig

Tag Zwei der Bullgine – San Quentin – Tour führte uns ins beschauliche Belzig. Verzeihung, Bad Belzig. So viel Zeit muss sein. Hat nämlich Kurortstatus, die Stadt, so wie dieses Bad Religion, von dem man so viel auf T-Shirts und anderen Obertrikotagen liest. Oftmals sind die schon recht betagt und entsprechend ausgebeult, weil die Träger sich gern an Bier gütig taten und so den Bauchumfang der Nickys erweiterten. Aber ich schweife ab.

Im beschaulichen Bad Belzig begaben wir uns jedenfalls auf den Hartrock-Café-Hof (ja, wirklich mit „t“). Der liegt so richtig urst downtown, nur wenige Meter vom Markt entfernt. Dort, also am Markt jetze, war anlässlich des Belziger Alstadtsommers, deren Programmpunkt auch wir waren, eine entsprechend pompöse Bühne aufgebaut. Letztes Jahr trat dort der original Wendler auf. Weil der sich aber gerade in Fernsehcontainern mit sogenannten Prominenten rumtreibt, musste man in Bad Belzig auf die unvermeidliche Helene Fischer zurückgreifen – bzw. auf ein Double von ihr. Bad Idea. Als Berichterstatter sah ich mich im Dienste der Leserschaft nach unserem recht zeitigen Auftritt verpflichtet, mich zumindest für kurze Zeit den Gefahren besagter Beschallung auszusetzen. Die Massen zuckten und johlten, dabei hatte die Fischer-Atrappe bis auf das abgeschmackte Liedgut und die ebenso unsäglichen Schulterpolster mit der Originalschnepfe nicht viel am Hut. Sie hat sich noch nicht mal besonders viel Mühe gegeben, so war zumindest mein Eindruck. Bei so einer verlogenen Performance blutet einem das Musikerherz, denn Geld wird die Fake-Fischer noch dazu wohl in ungebührlichem Maße eingesackt haben, anstatt für ihre akustische Belästigung Strafe zu zahlen. Um nicht zu verkümmern eilte ich zurück zum muckeligen Hartrockhof, wo zum Glück viele Leute vernünftiger Musik lauschten. Nämlich der von San Quentin, den Söhnen der Stadt, die in die große weite Welt hinauszogen (also nach Berlin) und nun endlich zurückkehrten und den Hinterhof beschallten, dass es seine Art hatte.

Das haben wir vorher auch gemacht, unter erschwerten Platzbedingungen, denn die Bühne war kaum geräumiger als die Fischerschen Schulterpolster. Aber das kannten wir ja schon aus Neuruppin. Wir hatten einige Mühe, uns einzurichten, aber Platz ist letztendlich in der kleinsten Hütte, wie man so sagt. Hat ja auch Vorteile. Sogar Andreas am Schlagzeug konnte mit seinen Fans direkt die Flossen schütteln ohne aufzustehen oder gar den Arm ausstrecken zu müssen (ich weiß aber garnicht, ob er’s gemacht hat) Und eine Bühnenbierbestellung wurde so auch zu einer Leichtigkeit.

Belzig

Das Wetter blieb auch an diesem Tag trotz Regenmeldung stabil. Schon Konfuzius pflegte zu sagen: „Das Wetter in Belzig hält sich“ (zu seinen Lebzeiten war es noch kein Kurort, deshalb hat er nicht Bad Belzig gesagt). Nach Konzertabschluss und Verräumung zog die restliche Musikantenmeute noch atemlos durch die Belziger Altstadtsommernacht, der Berichterstatter aber, geschwächt von den Ereignissen des Vortages einerseits und den Begebenheiten auf der Marktbühne andererseits, zog sich lediglich in die Gastgemächer zurück.