29.02.1016 – Unplugged im Freiland

Äskulap kennt man ja – das ist der Heini mit der Natter am Gehstock, Gott der Heilkunst und Chefredakteur der Apotheken-Umschau. Aber wer ist eigentlich sein Gegenspieler, also der Typ, der mit Krankheiten um sich schmeißt? Vielleicht nennen wir ihn Antiskulap. Oder Karl Arsch vom Dienst.

Wie immer vor solchen besonderen Anlässen wie unserem ersten Akustik-Konzert schleichen sich jedenfalls diverse Gebrechen in die Knochen von Musikanten. Karl Arsch geizt nicht mit Anginen, Hexenschüssen und Co. Vielleicht will er nur einfach mal folgende Szene einer Ehe beobachten: „Frau, ich habe zu beichten – ich lieg mit Angina im Bett.“ – „Ausgerechnet? Die Hexe hat doch nen Schuss!“ So, damit dürfte die Wortspielkasse reichlich gefüllt sein.

Auch wir blieben in Vorbereitung auf unser allererstes öffentliches Akustik-Experiment von solchen Dingen nicht verschont, aber wie es sich zum Glück meistens fügt, kann man am entscheidenden Abend alle Knochen wieder zusammenklauben und die Bühne betreten. Zum ersten Mal ohne Effekte, ohne Kabelsalat, ohne Schlepperei. Nur leichtes Handgepäck. Aha – so fühlt es sich also an, wenn man z.B. in einem Blockflötenensemble tiriliert. Sehr bequem, indeed und rückenschonend außerdem.

Wenig Aufwand lautete also die Prämisse der Veranstalter, entsprechend verwundert waren wir, als eine Altherren-Blueskapelle mit voller Montur anreiste – zwei Keyboards, Schlagzeug, Lederhut und vielen Variationen des 12-Takt-Schemas. Kann sich noch jemand an den etwas trottelig dargestellten Kameramann aus „Und täglich grüßt das Murmeltier“ erinnern? So jedenfalls sah einer der Bluesmannen aus dem Nuthedelta (eigene Worte) aus. Aber immerhin konnten die Jungs im Interview unseren kleinen Gebrechen noch ordentlich einen draufsetzen: Als die Frage aufkam, seit wann es die Band gibt, war zu erfahren, dass schon mehrere Leute die Band verlassen haben. „Zwei sind gestorben. Da war auch Alkohol im Spiel.“ Na so weit sind wir zum Glück noch nicht.

Aber apropos Nuthedelta: Wenn mich meine Geografiekenntnisse nicht im Stich lassen, müssten die Blues-Boys dann irgendwo hinterm Hauptbahnhof auf dem Parkplatz wohnen, wo die Nuthe in die Neue Fahrt mündet. Vielleicht haben sie dort eine reinliche Hütte und waschen Gold oder angeln auf Seehecht. Womit wir auch schon zum Thema griechische Gringos kommen. Bescheuerter geht eine Überleitung nicht, sagt ihr? Na dann passt mal auf.

radio

Wie man im Livemitschnitt wahrscheinlich noch nachvollziehen kann, bestand unser Auftritt aus drei Gesprächs- und zwei Musikeinheiten. Da der Radiomann mangelnde Eloquenz beim investigativen Fragen zu befürchten hatte, griff er sicherheitshalber zu zimmerfreiesken Spielchen, um die Sendezeit zu füllen. Es sollte eine mit Geräuschen gespickte Fortsetzungsgeschichte erfunden werden. Heraus kam irgendwas mit griechischen Gringos am Lagerfeuer, die zu später Stunde nicht mehr angeln durften und deshalb was mit einer Obstschlachteplatte im Sinn hatten. Fragt bloß nicht. Der anwesende Künstler von der Lesebühne hat wahrscheinlich Not gehabt, seine gekräuselten Fußnägel zu verbergen. Selbst schuld, wenn man barfuß in Sandalen auftaucht.

Ach ja, Musik gab es auch. Wir haben uns tüchtig vorbereitet, um unsere Songs akustisch darzubieten. Ich glaub, das hat auch gut geklappt, nur leider hat man beim Spielen einen Blindflug gehabt und überhaupt nicht gehört, was man da gerade treibt. Aber es wird schon den einen oder anderen überraschen, was aus Songs wie „The Hullton Mowl-Uffan File“ werden kann, wenn man keinen Verzerrer da hat. Hört es euch an, ist schön.

Bildschirmfoto 2016-03-02 um 15.00.34

Nach uns ging es munter weiter im Programm, u.a. mit Rudy, einer Zweimanntruppe, die im akustischen Segment zuhause ist und von daher leichteres Spiel hatte. Und die beweisen, dass man auch zu zweit ordentlich Klangfülle schaffen kann.

Kurz und Klein: Ein gelungenes Experiment, ein abenteuerlicher Abend, eine schöne Erinnerung.

Achja: Es gibt noch ein Gewinnspiel, kann jeder mitmachen: Wer den Verlauf der erwähnten Gringo-Geschichte zu skizzieren weiß (siehe Mitschnitt, wenn er denn da ist), kann uns eine E-Mail schicken (an info@bullgine.net) und ein Ticket für Rock in Caputh plus unsere CD absahnen. Einwandfrei, wa? Also her mit den Einsendungen. Wir freuen uns auf Wäschekörbe voller E-Mails zum drin wühlen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, Teilnahmeschluss sagen wir mal der 31. März.

Hier geht es zum kompletten Mitschnitt:

Nachtrag: Hier ist die Gewinnereinsendung mit der großartigen Zusammenfassung von Hauptgewinner Matthias:

GrummelndeMagenGrichischerGringos
 
Es begab sich so:
In die Havel fiel eine Angel, dann saßen mind. 3 griechische Gringos am Lagerfeuer und angelten Karpfen oder Rotwild in Form von Hürsch und/oder Reh. Irgendwann kam die Eule..“schuhschu“ -also eine Schuhverkäufereule – Anmerkung des Verfassers. Jedenfalls war diese Eule mit dem Fuchs, der jagdmäßig auch mal nen Korn trank,..äh fand, in Form einer Labormaus, auf fette Beutejagd. Irgendwann gab es bei den GG eine Obstschlachteplatte. Die Angler gegenüber fanden,  es sei zu laut und so gab es Beschwerden.  Festgehalten sei, dass es nur die grummelnden Mägen der GGs waren. Zu guter letzt konnte einer der GGs seine Inkontinenz nicht verbergen und ließ sämtlichen Blaseninhalt auf das romantische Feuer prasseln.
 So Otto will los. Geschichte aus, tot die Labormaus
 
Adiós Gringos