28.12.2014 – Albert-Baur-Halle, Bad Belzig (Finale Landesrockwettbewerb)

Finale Landesrockwettbewerb (Local Heroes)

Diesmal mit vielen Verweisen auf frühere Tourberichte

Wir haben es geschafft! Nein, es geht in diesem Moment noch nicht um den Wettbewerb, dazu später mehr. Nein, wir sind in der BRAVO! Naja, ehrlich gesagt ist es nur die BRAWO, was wahrscheinlich für Brandenburger Woche oder sowas steht, es ist jedenfalls das lokale kostenlose Käseblatt der Region Belzig. Aber da stehen wir drin, hört hört!

Anlass war das Finale des Landesrockwettbewerbs, in das wir ja mehr oder weniger wider Erwarten reingerutscht sind (hier nachzulesen). Das Finale hat uns mal wieder ins schöne Bad Belzig gelockt, aber diesmal war die Bühne so groß wie die ganze Location beim letzten Mal und ein Helene-Fischer-Double war Gott sei Dank auch weit und breit nicht zu sehen. Leider wurde ein Großteil der Bühne durch 80er-style-gigantomanische Keyboardphalanxen der Stern Combo Meißen zugestellt. Netto war also doch nicht so wahnsinnig viel Platz übrig.

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Den ersten Band des Abends konnte das egal sein, die Allererste war nur zu dritt, die Zweite bestand gar nur aus zwei Hip-hoppenden Personen ohne Equipment. Aber mit mehr Tiefgang als die Hopper bei unserem letzten Gig in Brandenburg. An dem Abend haben wir ja per Losverfahren den 1. Startplatz kekommen, diesmal war uns das Glück hold und die 5 ward gezogen. Zuerst spielte wie gesagt eine Dreiertruppe, die durch den Eröffnungsplatz natürlich den Vorzug genossen, als einzige (naja fast, siehe unten) einen ausgedehnten Soundcheck zu bekommen. Die Band ist ein bisschen wie ein gutes Brot, dass man sich kauft, aber erst drei Tage später anschneidet – handwerklich hervorragend gelungen, aber etwas altbacken. Trotzdem merkte man sofort: Hier ist ein Gewinnerkanditat am Werke.

Nach den anschließenden Hoppern waren dann die Bands des Potsdamer Vorausscheides an der Reihe. Zuerst Call Me Later, mit denen wir auch eine Garderobe teilten.

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Das war eine Umkleidekabine der Halle, in der wir spielten. Dezent aber spürbar lag das Aroma von Sportlerschweiß und Teilnehmerurkunden in der Luft. Um dem nicht allzuviel ausgesetzt zu sein, haben wir vor Veranstaltungsbeginn unter Andreas‘ fachkundiger Führung eine kleine Altstadtrunde gedreht – zurück an die Tatorte des Altstadtsommerabends, der uns als Band erstmals hierher führte. Der Versuch, in einem ortsansässigen Teigtaschen-mit-Salat-Fleisch-und-Soßenfüllung-Imbiss etwas zu Essen zu bekommen scheiterte an der schieren Langsamkeit der Dönermänner, die in ca. 10-15 Minuten genau zwei Döner fertigbekamen. Und es waren noch Leute vor uns. Entschleunigung extrem. Na immerhin lag da die BRAWO rum und konnte fürs Bandarchiv eingeheimst werden.

Vor uns war die 2-Mann-100-Instrumente-Truppe vom Vorausscheid dran. Aus unerfindlichen Gründen haben sie länger aufgebaut und gecheckt als am Ende gespielt, was meinerseits schon zur Sorge führte, dass wir den Zeitverlust dann ausbaden müssen. Der traurige Kelch ging dann aber zu unserem Glück an den außer Konkurrenz spielenden Vorjahressieger. Puh. Die besagten Mitkombatanten haben dann auch zwei fancy Bühnenaufsteller gehabt, weshalb wir uns dachten: Fairplay hin oder her, unser Banner kommt auch anne Bühne. Und gesagt, getan. Banner ran, Kabel rein, losgemuckt.


Aber diesmal war es doch anders als sonst, wie bandkundiges Publikum spätestens jetzt gemerkt haben dürfte. Denn an Marcels Stelle stand jemand ganz anderes. Marcel nämlich war sich zu fein, seinen von langer Hand geplanten Australienurlaub für den Auftritt zu unterbrechen, also brauchten wir Ersatz, der sich trefflich in meinem ältesten Mitmusikanten Martin aka Mr Geee finden ließ. Wir beide haben schon vor 20 Jahren (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, das sind 40% der Lebenszeit von Stern Meißen) zusammen in die Trompeten gepustet und 10 Jahre lang bei Ska-T viele viele Bühnen bespielt. Und jetzt nach vielen Jahren mal wieder. Ist doch schön. Nach 20 Minuten war das lang vorbereitete Gastspiel dann aber auch schon wieder vorbei und wir harrten der Dinge, die da kommen mögen. Kann ja keiner ahnen, was das war!

Nachdem also besagter Vorjahressieger ein sehr kurzes Set spielen musste, dachte man ja, dass die Juryverkündung danach folgt, damit die angereisten Fans selig der Sternburgcombo aus der Porzellanstadt lauschen können. Aber neien, weit gefehlt. Die Juristen rund um den Bassisten von Silly berieten sich so lange (denke mal, sie haben eine Friedenspfeife geraucht), dass an Dergleichen überhaupt nicht zu denken war. Die Meißener Sterne fingen an zu spielen. Und spielten. Und spielten. Eine der dienstältesten deutschen Bands, wenn auch, wie in Altrockerkreisen üblich, maximal noch ein Mitglied original ist. Der Rest ist nach und nach reingerutscht. Gecastet nach Frisuren, nehme ich an. Der Tastendrückende Hauptsänger sah aus, wie ein Ramone bei der ZDF-Hitparade. Und die Frisur trägt er auch im Alltag!

Sie spielten ihren progressiven Schlager und beim genauen Hinsehen bekommt man einen Schreck und der Begriff Altrocker einen faden Beigeschmack: Es gibt zwar 80-120 Keyboards auf der Bühne, aber Gitarren sind weit und breit nicht in Sicht. Entsprechend war die ganze Darbietung dann doch etwas soßig und zäh. Schade eigentlich, denn Progressives kann man ja auch durchaus interessant gestalten.

Auch wenn es uns 48 Jahre weniger gibt als die Sterncombo, haben wir ihnen doch zwei Punkte voraus: Zum Einen 2 Gitarren und 0 Keyboards und zum anderen haben wir es in nur 2 Jahren schon 2x geschafft in Belzig zu spielen, die Herren waren aber nach 50 Jahren zum 1. Mal hier! Na das sind doch gute Aussichten für uns.

Nach sehr langer Zeit war es dann aber endlich doch mal so weit: Die Jury stapfte auf die Bühne, um feierlich zu verkünden. Zuerst wurden zwei Sonderpreise für besonders verhaltensauffällige Musiker verteilt. Dann die drei Gewinnerbands durchgefunkt. Als der Moderator sagte, dass Platz 3 die waren, die ihn nicht anmoderieren ließen, hüpfte schon eine Herzkammer im Leibe – daran war ich nämlich teilweise schuld. Allerdings hatte er sich zu Anmoderationszwecken auch weit und breit nicht blicken lassen. Egal – wir waren jedenfalls damit offiziell Brandenburgs drittsuperste Band und haben eine nicht schlechte Summe Preisgeld erhalten. Perfekt geeignet, um die hoffentlich bald anstehende CD-Pressung zu finanzieren. Perfekt. Platz 2 (die Langsoundchecker) und 1 (die Eröffnungstruppe) waren indes keine großen Überraschungen und wir konnten alsbald von Dannen ziehen. Damit hat das Bullgine-Jahr 2014 doch einen dufte Abschluss gefunden. Vielen Dank an alle, die daran schuld sind. Jetzt geht es in die Songschmiede und wir sehen uns in alter und neuer Frische wieder. Sayonara.