27.08.2016 – Altstadtsommer, Bad Belzig

Belzig City Limits

Da kam er also endlich, der Tag an dem wir zu unserem heiß erwarteten dritten Gastspiel im beschaulichen Bad Belzig aufbrachen. Ein paar von uns sind belzigstämmig und waren daher schon vor Ort, Rainer und ich aber beluden das Mobil und reisten los – die Klimaanlage auf voller Kraft voraus, denn draußen brütete der heißeste Tag des laufenden Jahres. Pünktlich wie von der Navi-Lady berechnet erreichten wir die Belzig City Limits und sammelten uns erstmal am Jugendclub „Pogo“, sesshaft in einer beachtlichen Villa, die hier in Potsdam Millionen kosten und von Joops oder Jauchs bewohnt werden würde. Also so gar nicht zum Namen passend. Ich dachte immer, Pogo wär ein ranziges Kellerloch oder eine Baracke, wie andere Clubs, die so oder ähnlich heißen. Egal, da waren wir nach wenigen Minuten schon wieder weg und schälten uns in die Altstadtgassen zu einem brennesselgesäumten Hinterhof – dem „Junge-Köpfe-Hof“, einem von vielen Austragungsorten des Altstadtfestes. Dort Tachchen sagen zu übrigen Bandmitgliedern und den Herren von Cryzend – der Nachfolgeformation von San Quentin, Marcels Ex-Band. Die hatten heut ihren ersten Auftritt.

What’s Lork Got To Do With It

Und dann begann diese wundervolle Zeit der Nachmittagspardalisierung. Also diese schönen halben Stündchen, in denen wenig zu tun ist, man gemütlich in netter Runde ein kühles Radler oder eine richtige Lorke (so nennen die mir bekannten Belziger eine Molle, einen Napf, eine Maurerbrause, bzw. ein Bier) genießt und schon nach wenigen Schlucken in einen wohligen seelischen Dämmerzustand gerät. Balsam, der einem ein richtiges Wochenendgefühl verleiht. So lange, bis dann die Arbeit ruft – Bühne vollrümpeln und so. Dann waren aber erstmal Cryzend dran. Und die haben einen saftigen ersten Gig hingelegt, solltet ihr unbedingt mal reinlunschen bei Gelegenheit!

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Simply The Best

19 Uhr sollten wir dann ran und kurz vorher musste ich nochmal outkicken. Dafür musste man man vom Hof ins Getümmel zum Lokuscontainer gehen. Kaum dass ich reinkam schmetterte Tina Turner von der Marktbühnenbeschallung: „You’re simply the best“. Na jut, dacht ich, wenn Tina das sagt… Und kurz darauf gings los, einer unserer besten Gigs bisher, würd ich mal sagen.

In Belzig hatten wir ja beim ersten Mal die kleinste Bühne der Stadt, beim zweiten Mal die wahrscheinlich größte Bühne und diesmal passenderweise die mutmaßlich mittelgrößte. Und die war genau richtig – wie bei Goldlöckchen und den Bären, bloß dass die unerzogene Göre zähnefletschend davongejagt wurde. Davongejagt hat uns jedenfalls keiner, ganz im Gegenteil. Wachsendes Publikum, wohliger Applaus, der uns etwas frische Luft auf die Bühne wedeln konnte.
Simply the best war auf jeden Fall Jens, der Techniker. Er hat zwar einen recht merkwürdig anmutenden Hang zu kaputten Incubus-CDs und lässt eiskalt die ganze Platte durchlaufen, auch wenn keine fünf Sekunden am Stück fehlerfrei hörbar sind, aber das gönnt man ihm gern, wenn er dafür so einen guten und entspannten Job macht.

Private Schwänzer

Und dann wars leider auch schon wieder vorbei und wir dehydriert aber zufrieden. Der Abend ging noch reichlich weiter, auf der Bühne mit einer Truppe namens The Dr. Stefan Franks oder so, wie wahrscheinlich die meisten Kapellen beim Stadtfest eine Covertruppe. Aber davon haben Rainer und ich schon nichts mehr mitbekommen, wir mussten schwänzen und verließen vollbeladen die Belzig City Limits und trollten uns zum Proberaum. Kurioserweise waren wir ausgerechnet an einem Auftrittstag eher aus dem Proberaum raus, als an regulären Übungstagen. Was die anderen von uns indes getrieben haben, weiß ganz allein der Wind und es will vielleicht auch niemand von ihm erfahren…

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