26.09.2015 – Eberswalde, Studiclub – O Bockwurst, where art thou?

O Bockwurst, where art thou? – 26.09.2015 – Eberswalde, Studiclub

Es ist Samstag Abend und die Dinge stehen schlecht, ich bin auf der Suche nach dem weiblichen Geschlecht.
Am Wochenende hat man in der Großstadt seine Not, zu viele Jäger sind der Hasen Tod.
Mir bleibt nur noch eine Chance – hinein ins Auto und ab in die Provence.

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Zum Glück hat man als Berichterstatter und Bandchronist die Möglichkeit, anstelle von Goethe oder John Lennon (oder anderen zitierfähigen Prominenten wie Kader Loth oder so) austropopkulturelle Zitate unterzubringen, die vom Rest der Gruppe vielleicht nicht goutiert werden. Aber die EAV hat nunmal für jede Lebenslage etwas passendes parat. Und wenigstens unser mitreisender Techniker Jens wird es zu schätzen wissen.
Jedenfalls war es Samstag und wir fuhren in die Provinz, allerdings weniger auf der Suche nach der holden Weiblichkeit, als auf der Suche nach einem unvergesslichen Abend mit Musiker, netten Besuchern und den oben erwähnten warmen Mahlzeiten und warmen Herzen. Nach fast 2-jähriger Planung zog es uns nach Eberswalde, eine Stadt, die unweigerlich einen kleinen Exkurs erfordert.

Eberswalde – die Stadt der O-Busse und zarten Würstchen. Die Stadt an Finow und Schwärze, die in ihrer Wucht und Größe beinahe mit Amazonas und Rio Negro vergleichbar sind. Beinahe. Die Stadt, zu der manch einer eine Geschichte zu erzählen hat. Die Stadt, in der ich zuletzt im vergangenen Jahrtausend zugegen war. Also die unwiderstehliche Chance für eine der gefürchteten autobiographischen Abschweifungen. Es war der 25.12.1999, der allseits befürchtete Millennium-Crash warf seine unheilvollen Schatten voraus und alle Welt hatte sich mit reichlich Kerzen und Büchsensuppe ausgestattet, um den totalen Blackout kommende Woche zu überstehen. Aller Endzeitstimmung zum Trotz veranstaltete man in Eberswalde eine große Benefizsause zugunsten einer Initiative namens FREd (Freies Radio Eberswalde). Dort hatte ich das Vergnügen, mit meiner damaligen Kapelle aufspielen zu dürfen. Wie sich nun 16 Jahre später aber rausstellte, hat dort nie ein Mensch was von FREd gehört, also ist zumindest diese ganze Nummer offenbar im Millennium versunken. Oder irgendein Unhold hat sich mit den Abermillionen Einnahmen aus dem brandenburgischen Staub gemacht. Vielleicht eben jener, der an der wirklich einprägsamen Episode dieses abends federführend war. Es begab sich nämlich, dass unsererseits Hunger aufkeimte. Also sagte einer der Radioaspiranten, er führe uns zum besten Dönermann der Stadt. Vielleicht hatte er sogar recht, die Erfahrung war aber traumatischer Art. Denn zum einen war der Dönermann eine deutsche Frau, zum anderen schmeckte die gefüllte Teigtasche wie frisch aus dem Kanal gezerrt und außerdem lief im Laden noch fröhlich eine Kakerlake über die ungewischten Kacheln. Das war also meine Erinnerung an diese Stadt, die Erwartungen an die Wiederkehr nicht unbedingt gedämpft, aber in alle Richtungen offen. Und es gibt sogar noch ein Foto von damals, aber das muss unter Verschluss bleiben, aus Gründen. Und nun genug der Nostalgie.

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Wir reisen also 16 Jahre später (und ich doppelt so alt wie damals) in Eberswalde an. Statt wie geplant im Studiclub spielen wir im Foyer von Haus 2, ein paar Meter stromabwärts (die Schwärze schlängelt sich, mit Wasserpflanzen und Enten gesegnet durch den nachhaltigen Campus der ansässigen Hochschule). Ein gewagtes Experiment, eine Weltpremiere gewissermaßen, denn hier fand noch nie ein Konzert statt. Und dann gleich mit Kollege Schulzes scheppernden Becken in einem offenen Eingangsraum – gewagt. Aber was soll man sagen, die Akustik war trotz allem jut. Konnten also New Meat, die uns auch heute unterstützten, loslegen. Durch die Größe des Saales war es heut nicht proppenvoll, im Club wärs das aber gewesen. Dort haben wir aber immerhin Fraukes gute Küche genießen können, auch wenn wir auf die weltberühmten Eberswalder Würstchen schweren Herzens verzichten mussten, denn hier wird stets vegan gespeist. Mangel litten wir allerdings nicht, denn die On-Stage-Versorgung war vorbildlich. Dehydrieren ausgeschlossen. Generell herrschte allenorts eine überaus herzerwärmende Freundlichkeit. Man denke nur an Asdis, die ohne zu zögern uns verlauster Bande ein gemütliches Obdach für die Nacht gegeben hat. Oder Stefan mit einem F, der unser Premium-Paket erworben hat und voller guter Worte war. Unser Nicky steht ihm aber auch vorzüglich, muss man sagen.

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Wir haben also einen wirklich feinen Abend in der gefürchteten Stadt verbracht und uns bis in die Puppen amüsiert, inkl. manch denkwürdiger Mikrosituationen, die auf ewig in den Gedächtnissen verankert sein werden (sollten) – Prof. Dr. Schulze gibt eine Vorlesung, Rainer macht Judo-Moves über defektes Leergut, Marcel schwoft, Georg wird bei McDonalds gesichtet, etc pp. Freilich gab es all das Amüsemeng nicht ohne Gegenleistung, so musste z.B. Jens nicht nur Technik und Merch stemmen, sondern auch noch unfreiwillig eine Weile als Party-DJ herhalten. Und sich dann noch Kritik anhören, dass er mal weniger altes Zeuch auflegen soll. Unerhört – Sandra, Police, EAV – alles zeitlos Klassiker. Aber ich werde schon wieder nostalgisch, also blas ich den Tatsachenbericht jetzt mal lieber ab. Bis zum nächsten Mal – und besorgt euch unsere CD!