26.08.2017 – Rock am Löschteich und Altstadtsommer

Von Circlepittis und Déjà-vus

Was für ein Tag – gleich zwei Gigs zu bestreiten. Den ganzen gewichtigen Musikantenkrempel einladen, ausladen, aufbauen, abbauen, einladen, ausladen, aufbauen, abbauen, einladen, ausladen. Und im Proberaum wieder aufbauen. Aber es lohnt sich.

Kommt das Zeug wenigstens mal an die frische Luft. Daumen hoch!

Zuerst stand „Rock am Löschteich“ auf dem Programm, jenes Festival, dass seit drei Jahren in Potsdam mit bemerkenswerten Plakaten wirbt. Zu sehen ist die mit reichlich wallendem Haupthaar aber wenig Kleidung versehene Nymphe vom Drewitzer Löschteich. Der namensgebende Tümpel ist unter den zahlreichen Potsdamer Gewässern indes eines der unbekanntesten und sicherlich auch unattraktivsten. Man würde sich nicht wundern, wenn es irgendwo im entengrützengrünen H2O blubbert und man beim stochern auf eine halbverdaute Leiche mit Camp-David-Shirt treffen würde. Aber der Teich hat auch seine Besonderheit: Nur er verfügt über eine eigene Registrierkasse, da kein kein geleckter Heiliger See oder ein pompöser Schwielowsee mithalten. Ein Rundgang ist nach 4 Minuten zwar beendet, aber das schadet nicht, dann geht man eben wieder aufs Festivalgelände.

Das Wahrzeichen des Löschteichs zu Drewitz: Die nasse Kasse

Hier draußen im Ghetto, am Ende der uns bekannten Welt, tierst weit hinten an den Straßenbahnlinien 92 und 96, hat sich dieses kleine, aber feine Konzertkleinod etabliert und wir durften erstmals dabei sein, als Eröffnungsact, weil wir ja noch weiter mussten. Die Organisation und Toncrew seien ausdrücklich gelobt, solche Reibungslosigkeit und gut gelaunte und wohlgesinnte Techniker findet man selten. Und als Tüpfelchen auf dem I: Wer ein Textil mitbrachte, konnte das von sachkundigen Damen per Siebdruck mit dem Festivallogo in Weiß oder Taubenblau veredeln lassen. Garantiert keine Camp-David-Optik.

15 Uhr jedenfalls haben wir die Laute geschlagen. Und was soll man sagen: Vom ersten Moment an hatten wir einen veritablen Circlepit mit locker vier Dutzend!! Also vier Dutzend Monate, meine ich, wird das Mädchen alt gewesen sein, das zu unseren Songs fröhlich zirkulierend das Tanzbein schwang. War also eher ein Cirlepittiplatsch. Ich denke mal, sie wird am Abend gut geschlafen haben. Trotz der rockkonzertuntypischen Uhrzeit waren neben Circlepitti auch schon zahlreiche andere Gäste da, es war also ein Spielvergnügen.

Bühne, Banner, Blockbuden.

Frohen Mutes konnten wir nach dem Konzert abbauen und weiterjuckeln. Das Schöne war ja auch, dass für 15 Uhr Gewitter angekündigt war. Es blieb aber hervorragend und trocken. So konnte es weitergehen.

Szenenwechsel: Aus der WBS-70-Monolithenbebauung in die mittelalterliche Altstadt von Evil Bad Belzig City.

Wir erinnern uns an unseren letztjährigen Auftritt beim Belziger Altstadtsommer: Es war unbeschreiblich heiß, soweit ich weiß der heißeste Tag des letzten Jahres. Wie klebrige Schleimschnecken spielten wir, der Schweiß rann pipelineartig vom Face.
Rainer röhrt

Da war es diesmal beinahe Arktisch, mit etwa 15 Grad weniger. Was für eine Wohltat. Zumindest im Direktvergleich, geschwitzt wurde trotzdem. Zu erwähnen sei auch hier die angenehme Organisation und Technikbesatzung. Ansonsten war es ein ziemliches Déjà-vu-Erlebnis – Burger, Bier, Brennesseln, Bullgine. Aber als Novum: Mitten im Song P.A.R.D.A.L., der darum geht, dass man manchmal einfach nur in aller Ruhe ein Bier trinken möchte, es aber Leute gibt, die einem dies auf verschiedene Art verargen, führten diensthabende Polizisten zwei Besucher ab. Allerdings zu Recht, denn diese sorgten für allerlei Ungemach bei ihren Hunden. Nach dieser Randepisode hat sich unsereins aber nicht allzuspät in die Regionalbahn gepflanzt, wie letztes Jahr blieb der Rest länger. Ob es dann für den Rest wurde, wie unser Klassiker Land Ho (fängt langsam an und endet in wüstem Gebrüll), weiß ich nicht zu sagen. Was in Belzig passiert, bleibt in Belzig. Zum Altstadtsommer ist es das Tijuana des Flämings.