25.10.2019 – Das große Finale!

Da war es nun also, nach sieben Jahren, das große Finale. Nach 44 Auftritten der letzte Tourtagebucheintrag. Nach hunderten Proben die letzten Akkorde. Und was für ein Finale das war! Ein großes Familientreffen, eine komplette Werksschau, ein überraschend pannenfreier, perfekter Abend. Nicht einmal eine Seite ist gerissen. Und weil es nunmal der letzte Eintrag ist, soll der letzte Eintrag auch ein wenig literarisches Niewo haben. Es wird verschachtelt wie in anspruchsvollem Popcornkino: Die Geschehnisse des Abschiedsabend in elegantem Vers, dazwischen gespickt mit Anekdoten und Erinnerungen aus der Anfangszeit in Prosa. Mal sehen, ob das klappt.

Es begab sich in dem siebten Jahr,
dass uns’re Zeit vorüber war.
„Schluss mit Genuss“, sprach da der Schorsch.
„Diese Kapelle ist doch Morsch!“
Die Schuld traf kein Streit, keine veruntreuten Moneten,
kein Rock-Klischee, kein Schienbein-Treten.
Die Zeit war einfach reif, was will man machen.
Doch zum Schluss soll’s nochmal krachen!


Interlude 1: Willst du mit mir gehen?

Im Anfang war die Kleinanzeige. Zuallererst fand Otto (das wäre dann wohl ich, der Berichterstatter) über StudiVZ (ja, das gab es mal) einen Trommler. Bald kam Georg hinzu und über eine weitere Kleinanzeige, diesmal in der Events, ein bassspielender, bezopfter Sänger namens Rainer. Nun war der damalige Trommler zwar sehr versiert, allerdings nicht daran interessiert, wirklich Songs zu machen. Er verabscheute es, zwei Takte lang das selbe zu spielen, wollte lieber schön viel Mathematik machen beim Trommeln. Also kam man überein, die gemeinsamen Versuche aufzugeben. Des Weges kam die dritte Kleinanzeige, mit der Andreas sich empfahl. Das war im Sommer 2012. Georg war in Norwegen Lachse erschrecken oder so und Rainer und ich trafen den Mann mit den Zehenschuhen zum Casting in einer Kneipe. Es funkte, und ohne einen Ton zusammen zu spielen, waren wir zu viert.


Nun war’s so weit, von Langerhans langer Hand geplant.
Das Wetter: dufte!
Die Laune: Schmufte!
Wer nicht da war: Schufte!
Das Programm in drei Gänge gerahmt:

Als Odöwre (dieses Wort extra für Georg) ein luftiges Akustik-Set im Hof.
Die meisten fanden’s gut, manch einer (die Nachbarn?) vielleicht doof.
Fünf Klassiker im Buskers-Mantel,
da durchfährt so manchen Song ein Wandel.


Interlude 2: Und wo wollen wir wohnen?

Was braucht man als Band? Einen Proberaum, logo. Irgendwann saßen wir deshalb mal im Freiland, um dortige (nicht besonders üppig vorhandene) Möglichkeiten zu checken, als jemand kam, der Georg kannte und andererseits jemanden, der wiederum wen kannte, der wohl gerade Proberaummieter sucht. Kann denn das sein, so ungeheures Glück? Tatsächlich konnten wir kurz danach unser erstes Quartier beim großartigen Enno im „Klangraum“ beziehen und wurden Teil der Alten Brauerei, die der Herr selig haben möge. Denn schon ca. ein Jahr später kamen die Immobilienhaie. Der Rest ist Geschichte: Es gab Kündigung, Initiativgründung, Protest und Erfolg: Ohne die Brauhausmusiker gäbe es heute kein Rechenzentrum. Ein Ausweichquartier wurde gefunden, dort aber wiederholte sich die Geschichte zwei Jahre später und noch unrühmlicher. Verarbeitet wurde der erste Raumverlust übrigens in unserem Song „Sharks“ und hier im Tourtagebuch.


Dort unterm Baugerüst wars schön,
doch zum Radau muss man ins Häusle geh’n.
Hier baten wir zum zweiten Gang:
Ordentlich Braten, Noten und Gesang.

Was war da los, ein wahres Fest.
Die Band voll Freude,
auch die Leude.
Das war Trochäus, kein Anapäst.
Aber Abwechslung muss sein,
das gilt für Musike, das gilt für Reim.


Interlude 3: Gebt dem Gör einen Namen!

Leute? Check!
Raum? Check!
Instrumente? Check!
Songs? Auch schon was da.
Was fehlt? Ein Bandname. Wie viele wissen, dürfte die Findung desselben wohl der schwerste Prozess im Bandgefüge sein. Ein Name muss so viele Kriterien erfüllen: darf nicht vergeben sein, muss zur Musik passen, sollte man gut aussprechen können, darf keine blöden Assoziationen wecken, sollte eindeutig googlebar sein und muss noch dazu allen gefallen. Sowas finde mal …
Wir hatten damals eine Tafel im Raum, auf dem standen unsere 4 Songs (womöglich stand da auch „Der Neue 1“ und „Der andere Neue“ und so) und eine Liste an potentiellen Namenskandidaten. Viel weiß ich nicht mehr. ich glaub es gab „Flowsome“ (kam immerhin in einem Songtext unter), „Lou Tennant“ (sinnlos), „Appletheft“ (kein Kommentar) und irgendwelche anderen. Letztendlich vereinte „Bullgine“ alles, was Bedingung war. Keine Band heißt so, der Begriff steht für Dampfmaschine und versinnbildlicht die Kraft der Musik und er ist schwer zu verhohnepipeln (außer für meinen Schwiegervater, der in der Zeitung tatsächlich meinte „Bullshit“ gelesen zu haben).
Bandname? Check! Da konnte der erste Auftritt kommen. Wo? Im Kuze natürlich!


Man wird nicht jünger, auch nicht die Blase,
drum gab’s ein Päuschen nach der 2. Phase.
Im dritten Gang ging’s nochmal gegen,
da ließen wir die Wände beben, o ja!

Es kam der ganze Songvorrat,
nur einen ham wir ausgespart.
Dran konnt sich keiner mehr erinnern,
in niemandes Gehirn ein Schimmern.
Wurst drauf, auch auf diesen Lyrik-Stuss,
jetzt gibt’s wieder Prosa, mit mieser Poesie ist Schluss!


Und damit findet auch dieses Tourtagebuch sein Ende. Es war eine schöne Aufgabe. Eine anstrengende auch, aber ebenso anregend und hoffentlich hat es ein paar Leuten Freude gemacht. Vielleicht gibt es ja in zehn Jahren einen weiteren Eintrag, wenn wir ein großes Reunionkonzert geben, im Kuze oder in der Mercedes-Benz-Arena. Oder wenn unsere Kinder alt genug sind, um selber eine Bullgine-Coverband zu gründen. Wir werden sehen. Vielen Dank jedenfalls für die Aufmerksamkeit.