21.06.2017 – Fête de la Musique, Hafthorn Potsdam

Uns und die Potsdamer Fête de la Musique verbindet nun schon eine wechselvolle 4-jährige Geschichte, die in diesem Jahr ihren bisherigen Höhepunkt fand.

21. Juni 2014: Das Jahr des Auf- und Umbruchs in der Potsdamer Szene. Es gibt Proteste und Kündigungen, keine Fête de la Musique, dafür die Mett de la Physique. Nur ist dummerweise Fußballjahr und die landläufig als „Wir“ bezeichnete Mannschaft spielt irgendein mittelrelevantes Bolzturnier. Also geht kein Mensch zur Musik, sondern nur zur Glotze. Wir spielen also hinter einer offenen Stahltür im Freiland vor einem auserlesenen Publikum.

21. Juni 2015: Es ist wieder Fête, unter perfekten Bedingungen: Kein Fußball, gutes Wetter und noch dazu ein Sonntag. Wir beschallen die damals neue und jetzt leider nicht mehr existente Kneipe „Reloaded“, bzw. den Bürgersteig davor. Ein voller Erfolg.

21. Juni 2016: Diktator Fußball ist wieder einmarschiert. Zum Glück fand sich dieses Jahr keine Bühne für unserlei laute Musik. So konnten die Leute aus der Band, die möchten, in aller Inbrunst dem Diktator huldigen und wir mussten nicht vor leeren Rängen spielen.

21. Juni 2017: Kein Fußball, Spitzenwetter der Extraklasse und eine Bühne für uns – alles einwandfrei. Im Detail: 

Ich persönlich hatte zuvor schon ein Gastspiel mit anderer Formation an einem anderen Fêten-Hotspot und tingelte anschließend gemütlich zum Hafthorn. Dort war es gerappelt voll und um einiges wärmer als auf der Straße, der Hinterhof-Schlauch bündelt Burgerbratdämpfe und menschliche Biowärme. Apropos Burger – es blieb genug Zeit für ein Zwischenbilanzbier und einen Burger, die Spezialität des Hauses, gab es auch noch. Den mussten wir aber mit großen Happsen verschlingen, weil dann doch die Umbauzeit nahte. Der Hafthorn-Bulettenschmied bietet übrigens als besondere Spezialität Wildburger an. Man muss dabei allerdings höllisch aufpassen, dass man keine Anfangsbuchstaben vertauscht, sonst hat man einen Bildwürger, also jemanden, der Skandalpresse liest und davon das Kotzen bekommt.

Nachdem irgendwann die Kollegen von Sonator ihre taktische Keyboard-Phalanx deinstalliert hatten, konnte unser Aufbau beginnen. Pragmatischerweise gab es keine Bühne, nur Fläche. Ich stand in einer kleinen Exklave hinter einem Ahorn (eine Unterart der Familie der Seifenbaumgewächse übrigens, die wiederum zu den sogenannten Eurosiden II gehören. Ich vermute, dass damals, als der Baum gepflanzt wurde, das noch Ostmarksiden I hieß). Das dürfte so ziemlich das erste Mal gewesen sein, dass ich das Effektebrett auf waschechtem Kopfsteinpflaster aufstellen musste. Zum Glück hielt sich die Wackelei in Grenzen.

Eine ebenerdige Bühne kann wenigstens nicht wackeln oder umkippen

Es gab ein paar sogenannte Verzögerungen im Betriebsablauf, das hat der Tontechniker, jahrzehntelang geschult und erfahren, gekonnt zu kompensieren vermocht, quasi nach dem Motto: „Schlagzeuger, spiel mal Bassdrum“ – Bumm Bu… „Reicht. Und jetzt denk mal anne Snare. Reicht. Sänger ist dran.“ – „Test Te….“ – „Sjut. Könnt loslegen.“

Haben wir dann auch und es hat Spaß gemacht, nicht nur uns. Wir konnten auch wieder eine Weltpremiere verbuchen und tatsächlich gelang das Kabinettstück, pünktlich 3 Minuten vor Lärmsperrstunde fertig zu werden. Als zeitgemäße Musikanten haben wir es erstmals auch mit einem Bühnenselfie probiert, heutzutage gehört das ja zum guten Ton. Dummerweise hat die Vorbereitung so lange gedauert, dass die meisten Leute schon auf dem Weg zum Örtchen waren, es sieht also weniger beeindruckend aus, als es hätte können. Aber wir üben daran weiter. Egal, final gab es noch eine halbe Bierschorle (höchstens) und dann husch husch ins Bett.

Selfie von gestern Nacht – gestochen scharf, wie die Typen