16.09.2017 – Mit Handgepäck den Berg rocken und Schülerspiele zocken

Nachdem wir bei den letzten Konzerten immer mit ganzem Equipment anrauschen mussten, hatten wir diesmal das seltene Vergnügen, einfach mit leichtem Handgepäck loszittern zu dürfen. Also wie Klassenfahrt ohne Betreuer ab in die Regionalbahn in Richtung Hauptstadt.

Diesmal kann ich endlich mal wieder ganz tief in der Erinnerungskiste wühlen, denn im Pfefferberg habe ich schonmal spielen dürfen. Damals waren die Haare noch (ein ganz klitzeklein wenig) voller, die Augenringe kleiner und der Geldbeutel schmaler, das war nämlich (glaube ich) 1999, kurz vorm nicht erfolgten Millennium-Crash. Damals sah es hier noch ganz anders aus, das ist dann auch so ziemlich die einzige Erinnerung – es war reichlich unsaniert. Jetzt strahlt der Komplex einen förmlich aus den Latschen in seiner heimelig angestrahlten Feierabendeleganz.

Die Handzettelversion, zu groß als Flyer, zu klein als Plakat. aber ideal für U-Bahnhöfe.

Unser Saisonabschlussfestival (wenn man einen Indoor-Event denn dazuzählen kann) „Rock am Berg“ wurde schon im U-Bahn-Schacht per Plakat angepriesen und man merkte: Hier versteht man was von Promo. Wie in eine warme Decke gehüllt fühlte man sich, bei guter Umsorgung und Organisation. In diesem inklusiven Festival der Lebenshilfe, das merkt man, steckt viel Herzblut, es gibt sogar einen veranstaltungseigenen Song. Und es gab gestellte Verstärker, ein Komplettschlagzeug (so richtig komplett-komplett), Funkmikros, versierte Techniker (verblüffend: schon wieder welche mit guter Laune) und einen leuchtenden Modulator Moderator. Ja wirklich – er trug Leuchtebotten, ein sprachaktiviertes Leuchte-Nicky und eine Leuchtebrille im Tron-Look. Auch das gab’s alles 1999 noch nicht.

Amboss, der Modulator

Sogar Buttons wurden gemacht – für jede Band. Das hatten wir auch noch nicht. Unser Staunen wurde nur unterdrückt durch die hohe fressnarkotische Wirkung des Chili con ordentlich Carne. My dear Scholli, waren wir satt. Und kaum ausgelöffelt, mussten wir schon unseren Auftritt beginnen. Aber trotz Wanst voller Red Hot Chili Peppers konnten wir gut abliefern. Bei so dankbarem Publikum wie hier ist das Völlegefühl aber auch schnell vergessen.

Das Chili war schärfer als dieses Bild. Aber es ist eine waschechte Momentaufnahme eines sing-performenden Trommlers. Und eines Gitarristen, wenige Stunden bevor sein 1. Mal Autokarten spielen sein Leben in den Grundfesten hätte erschüttern sollen.

Zufrieden schlurften wir später wieder zur Bahn und konnten unserem Bandinterlektuellen, dem Georg, etwas Neues beibringen: Autokarten! Georg verlor schnell das Interesse (dieser Banause), aber ein zugestiegener Schwarzbiertrinker war mit einem Eifer dabei, als wäre grad das Finale der Autokarten-WM in Doberlug-Kirchhain oder so. Meine Güte, hat der mitgefiebert, kommentiert, gelacht und gestaunt („950 Power! Mannomann, det stichter nich.“). Das ist wahrer Sportsgeist. Zum Glück musste der nicht auch am selben Bahnhof raus, den hätten wir womöglich immer noch auf der Pelle.

Buttons beim Rock am Berg, also quasi aus der Familie Mountbutton, wie Königin Lisbeths Mann Prinz Philipp.

Als i-Tüpfelchen kam bei der Rückfahrt auch noch die Meldung rein, dass wir im November auf einem herausragenden Konzert in Potsdam mitwirken dürfen. Ich sage mal so: Das wird ein Fest. ich weiß aber nicht, ob ich es jetzt schon ankündigen darf, also lassen wir es spannend. So spannend wie ein Dreierstechen mit 425 PS. Stich!