05.04.2014 – Mittendrin, Neuruppin

Über Fontane, Schinkel, Nazii und Pits.

Zwei mir bekannte Dichter stammen aus Neuruppin: Der eine, den Namen weiß ich allerdings nicht, war vorletztes Jahr bei mir zu Hause und dichtete – also den Abfluss ab. Dabei hat er reichlich schwadroniert: Über erhöhte „Tzeks“-Wahrscheinlichkeit nach dem Abwasch, seine Gartenlaube und seine Heimat „Neuruppeng“. Der zweite Dichter ist adelig und heißt Theo von Tane. Ein Scherchzen nur – Fontane schreibt er sich natürlich, mit F wie in Feuerlöscher, deren im Ostraum populärste Vertreter ebenfalls aus Neuruppin kommen und auch noch so heißen. Fontanes größter Smashhit ist ein Werk über eine gewisse Effie, ich glaube die war die Großmutter von Winnetou-Darsteller Pierre Briest. Auch Meister Schinkel stammt von hier und eine berühmte Rodel-Weltmeisterin und Olympiasiegerin, die mit mir in Kindergarten und Schule ging. Wahre Geschichte.

Bloß: Von alldem haben wir nichts mitbekommen, außer dass* wir in der Schinkelstrasse spielten. Apropos: Schinken gab es auch nicht, das Mittendrin lebt vegan. Mittendrin, das war der Club unserer Wahl für diesen Abend. Vor 11 Jahren hab ich hier schonmal Musike gemacht. Das einzige allerdings, an das ich mich erinnern konnte, war der doch recht kleine Konzertraum – knapp über Wohnzimmergröße und noch dazu Durchgangsbereich zwischen Lokus und Bar, die natürlich in gegenseitiger Wechselwirkung von den anwesenden Gästen reichhaltig konsultiert wurden. Das war leider besonders auffällig beim Auftritt der Kollegen von zeitlupe., die uns kurzfristig an dem Abend unterstützten, weil die ursprünglich geplanten New Rain nicht konnten.

Leider lag über dem Abend ein Schatten. In Wittenberge war Nazi-Demo und die Gefahr schwebte über dem Mittendrin, dass die Kameraden zwecks Stunk in der Schinkelstraße vorbeischauen. Tatsächlich ließ sich auch ein Kahlkopp-Quartett blicken, musste aber gesenkten Hauptes von Dannen ziehen. An dieser Stelle den größten Respekt für die Mädels und Jungs vom Mittendrin, die seit zig Jahren solchem Mist trotzen und in der Provinz was auf die Beine stellen. Das gilt auch stellvertretend für alle anderen Projekte dieser Art.

Zwar spielten wir ohne Banner (und ohne Matze und Knut, die sonst immer bei unseren Auftritten waren), der Auftritt war trotzdem saftig. Der Pit moshte und circelte, dass es nur seine Art hatte, auch das gute alte Stagediven fehlte nicht. Mal was anderes als das preussisch-artige Potsdamer Publikum. Huiuiui: Es wurde eine Blutlache gefordert – mehrfach. In dem Fall ist „Blutlache“ allerdings was ganz friedliches und erquicklich obendrein, nämlich dasselbe wie „Flughafen“ oder „Hubschrauber“ – eine Zugabe also. Nach Podiumsdiskussion (auf dem doch sehr kleinen mittendrinner Podium) legten wir zwei Nummern nach und verabschiedeten uns gabelförmig Richtung Abort und Tresen.

Doch der Abend war nicht gelaufen. Es wurde gekickert, die Augenbrauen zu seltsamen Hip Hop hochgezogen und der hausinterne Proberaum bejammt, bis früh in den Morgen. Trotz vorangegangener Linsensuppe war die Nachtruhe mit einem Dutzend Postrockern in einem Raum auszuhalten. Kurzes Frühstück noch und ab die Post zurück nach Potsdam.
Auch an dieser Stelle Danksagungen: Danke Nelson für die Organisation, alle anderen vom Mittendrin für alles, zeitlupe. fürs Dabeisein, Käpt’n Blankenburg fürs Chauffieren. Wir kommen wieder, spätestens wenn ihr euer neues Domizil bezieht!

* = Besagter Abflussdichter hätte an dieser Stelle „damit“ gesagt. So und mit anderen Sachen trieb mich der Vogel fast in den Wahnsinn, weil er auch noch vier Stunden blieb und so schlecht arbeitete, damit (ääh dass) er wiederkommen musste.