PRESSE

BULLGINE in Presse und Radio

9.) Märkische Allgemeine Zeitung, 19.05.2016:

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Potsdamer Band Bullgine spielt bei Rock in Caputh

Es ist ein Wort wie eine Zauberformel: „Progressiv-Post-Rock“ nennt die Potsdamer Band Bullgine ihren Sound– und alle müssen dabei lachen. Wenn die fünfköpfige Formation am Wochenende beim Festival Rock in Caputh auftritt, wird die Post abgehen – ganz progressiv.

Caputh. Der Schlagzeuger Andreas glaubte, eine Band, die zu ihm passt, lernt man beim Bier kennen, nicht unbedingt im Proberaum. „Es muss zwischen den Menschen stimmen, darum geht man besser erst mal in die Kneipe.“ Andreas wohnte in Berlin, er hatte Einschusslöcher in der Wohnungstür, „Kleinkaliber“, sagt er. Das waren Argumente, fortzuziehen, er ging nach Potsdam, suchte eine Band, vor allem aber hat er eine Stadt gesucht, „in der man Hallo sagt und guten Morgen“. Andreas wollte unter Menschen, die Sinn für Musik haben, doch auch für eine Freundlichkeit, die sich im besten Falle niederschlägt in einem Lächeln.

Andreas wird 28 Jahre alt an diesem Tag. Er sitzt mit seinen vier Kollegen von der Band „Bullgine“ im Proberaum. Am Samstag werden sie auf dem Festival „Rock in Caputh“ auftreten. Andreas verschanzt hinter den Trommeln, sein Bart ist säuberlich gestutzt, sein Shirt ist weiß, er sagt: „Nimm das!“ Er reicht die Kopfhörer, „es wird jetzt laut, besser, du schützt die Ohren.“ Er gibt den Takt auf seinen Drums vor, Peng, Peng, Peng, auch das klingt wie ein Kleinkaliber. Georg tritt mit seinem rechten Fuß auf ein Pedal, das seine Fender Stratocaster, hoch geschätztes Stück in der Gitarrenwelt, präzise auf ein sehr verzerrtes Wummern trimmt. Auch Otto legt jetzt Hand an die Gitarre, er kann schon wieder lachen, obwohl es vorhin Ärger gab. Seine Tochter, gut zwei Jahre, wollte noch ein Bilderbuch, aber der Papa musste los. Zu seinen Jungs. Zu seiner Band.

Ein Proberaum in Potsdam-Babelsberg, gleich neben Katjes, wo sie gerade Nachtschicht schieben. Industrie zu allen Seiten, hier schlägt man Krach, ohne die Nachbarn gleich am Hals zu haben. Nein, das ist kein Krach. Man nennt es wohl Adrenalin. Und um genau zu sein: Es ist „Progressive Post-Rock“, sagt Otto, alle lächeln, als er das Wort wie eine Zauberformel spricht. Eine Definition, zu der sie nach langer Überlegung kamen. Ganz egal, wie man Details dieser Musik erläutern will, sie ist vor allem laut und steigt nicht zwingend in das Tanzbein, eher in eine interessante Gegend, irgendwo zwischen Herz und Hirn.

Über der Tür hängt ein Plakat vom Heidi-Film, das ist Humor von jungen Männern, die sich, bevor sie ihre Instrumente stimmen, ein kaltes Bier aus ihrem Kühlschrank holen. Andreas, Georg, Otto spielen sich jetzt warm, Marcel setzt ein am Bass, Rainer, schlank, im schwarzen Hemd, schaut hoch zur Decke, dann hebt er seine Stimme. Alles läuft. Sie ölen die Maschine. Das Lied macht ernst nach guten zwei Minuten. Peng, Peng, Peng.

„Bullgine“, sagt Otto, „ist ein Name, den wir letztlich im Wörterbuch gefunden haben.” Bullgine ist ein altes Wort für Dampfmaschine, das kommt dem Sound der Band recht nahe. Die fünf Männer kommen musikalisch aus verschiedenen Ecken, Otto und Georg sind die Gründer, sie schwören auf Peter Gabriel, Andreas mag Incubus, Rainer liebt Tool. Es ist, als wolle einer in den Urlaub nach Mallorca, der andere nach Norwegen. Welten liegen dazwischen, doch man muss sich einigen. Bullgine haben einen Sound gefunden, der Harmonien mit dem Hackebeil erlegt, und doch so etwas wie Poesie zwischen die Zeilen legt.

Am Samstag nun spielen sie bei Rock in Caputh, ihre erste große Bühne seit der Gründung vor drei Jahren. „Endlich Auslauf“, sagt Andreas. Es gab Auftritte, da passten die fünf Männer kaum auf die Bretter. „Wir entfalten uns als Live-Band gerade“, sagt Rainer. Er meint das räumlich. Doch es trifft auch musikalisch zu. Was für Caputh geplant ist: Live die zweite Stimme hinzukriegen. Feinschliff. Sie schießen scharf. Doch wenn sie von der Bühne steigen, trinken sie ein Bier. Zeit für ein Lächeln. Es ist die Band, nach der Andreas sich gesehnt hat, damals, als das Kleinkaliber in der Tür gesteckt hat.

Von Lars Grote

[http://www.maz-online.de/Nachrichten/Kultur/Potsdamer-Band-Bullgine-spielt-bei-Rock-in-Caputh?site=desktop]

 


8.) Interview + Unplugged-Set im Freien Radio Potsdam (frrapo), 29.02.2016:


7.) Potsdamer Neueste Nachrichten, 24.09.2015: 

Einmal aufs Meer und wieder zurück

Die Potsdamer Band Bullgine veröffentlicht ihr Debüt „Creating Ripples“. Am Freitag ist die Record-Release-Party im Kuze

Was laut wird, beginnt mit einem zarten Rauschen: Wellen, die in einem gleichmäßigen Rauschen auslaufen. Dieser meditative Sog dient nicht nur als Intro, sondern markiert auch den Rahmen, in dem sich die Band auf ihrer ersten EP „Creating Ripples“ bewegt – das Meer als Sehnsuchtsort, die Unendlichkeit des Wassers als kreative Balance. Nun mag der Metaphorik des Meeres ab und an etwas Abgedroschenes anhaften, muss sie doch allzu oft für irgendetwas herhalten. Für die Potsdamer Band, die im Namen schon die Bezeichnung für einen dampfbetriebenen Motor trägt, zu einer Zeit, als Dampfschiffe die Segelschiffe ablösten, passt diese aquatische Bildsprache jedoch perfekt.

Dabei sind die fünf Musiker von Bullgine alles andere als eine Freddy-Quinn-Cover-Band, der man in Hafenkneipen begegnen würde, mögen sie sich selbst auch gern in einer matrosenhaften Ironie darstellen. Musikalisch wird eher eine Postrock-Schiene mit Progressive-Elementen gefahren, die sich in atmosphärischen Geschichten und einem dichtem, verspielten, latent brachialen Sound äußert, der immer wieder von einlullendem Gesang getragen wird.

Am Freitag gibt das Quintett um den Bassisten Marcel Raven, Gitarrist Otto Breit, Mastermind und Leadgitarrist Georg Käppler, Sänger Rainer Schönherr und Schlagzeuger Andreas Schulze ihre Record-Release-Party im studentischen Kulturzentrum Kuze, einem der wenigen kulturellen Hotspots, die sich noch sattelfest in der Innenstadt halten. Der Laden, der für Montagskultur und Rock’n’Roll-Tresen berühmt ist, wurde nicht zufällig gewählt: Die Location stand schon fest, bevor die Aufnahmen fertig auf Band waren.

Keine Überraschung natürlich, dass das Cover des Debüts in Blau gehalten ist, schließlich ist der Blick auf den Ozean Programm. Doch auch das aquafile Songwriting zieht sich wie ein roter – Verzeihung: blauer – Faden durch die sechs Songs, die wieder mit einem Meeresrauschen enden. Ein Konzeptalbum? Als „einmal aufs Meer und wieder zurück“ könne man die EP schon verstehen, sagt Sänger Schönherr. „Wir bedienen uns aber auch der Seefahrt-Metaphorik, um darin aktuelle Themen zu verpacken.“ Hört man das auch?

Und wie: Gleich im ersten Song „Downside Up“ – mit dem Bauch nach oben, was wohl für Fische, Schiffe und Matrosen dasselbe bedeutet – gibt es einen deutlichen Shanty-Einfluss zu hören. Wir verlassen den Hafen und schnell wird aber deutlich, wohin sich das Schiff bewegt: Gleich zu Beginn der Reise wird es dramatisch. Das zweite Stück „The Hullton Mowl-Uffan File“ ist ein akzentuierter, kurzer Song, bei dem der Gesang immer an der Heiserkeit kratzt. Im Track „Sharks“ dagegen stark elegische Elemente, die die Zeit bis zum Zerreißen dehnen – weit weg vom langweiligen Viervierteltakt. Dieses Hymnische passt sich natürlich ins Konzept der Band ein, was bis zum positivistischen, von Dur durchtränkten Songs wie „Alive“ führt, der geradezu popmusikalische Bausteine verwendet.

Dahinter steckt aber auch viel kompositorische Arbeit, etwa beim Schlagzeug, dass darum bemüht ist, nicht zu sehr in den Vordergrund zu geraten, sondern das Zusammenspiel der Gitarren zu stützen. Bullgines Dynamik liegt nicht in den großen, strukturellen Überraschungen: Die Songs sollen sich entwickeln, sollen nachhallen. So entstehe die Musik auch immer lange vor den Texten, außerdem werden die Stücke auf zwei Ebenen komponiert: „Die Songs sind zum einen für den Zuhörer, aber zum anderen auch für Musiker geschrieben“, sagt Bassist Marcel Raven. Musiker hören die Musik nämlich mit einem anderen Ohr.

Ganz so schnell konnte es da auch mit der Aufnahme nicht gehen, die im heimischen Proberaum gemacht wurde, mit bescheidenem Equipment: „4-Kanal analog mit einer abenteuerlichen Verkabelung“, wie Gitarrist Käppler sagt. Allerdings sei man im Proberaum auch nachlässiger als im Studio. Die ersten Aufnahmen entstanden bereits im März 2014, dann ging es Schritt für Schritt weiter, im Mai dieses Jahres waren dann sechs Songs so weit fertig. Und dann der Rückschlag: In den Proberaum der Musiker sowie in benachbarte Räume wurde eingebrochen, mitgenommen wurde nur, was transportabel war und möglichst teuer aussah – der Rest wurde durch die Gegend geworfen, die Gitarren lagen im Raum verteilt herum. Diese Respektlosigkeit sei eigentlich das Schlimmste gewesen, das Equipment sei versichert gewesen – auch wenn der Ersatz bürokratisch ist und noch ewig dauern wird. Die anderen Bands hatten weniger Glück.

Jetzt geht der Blick aber wieder geradeaus, zunächst steht das Konzert an, was nach so viel stickiger Luft im Proberaum ersehnt wird. „Beim Songwriting hat bei uns eine gewisse Routine eingesetzt, aber live haben wir noch Luft nach oben“, sagt Käppler. Das Beste aber sei immer noch, einen Song zum Arbeiten zu haben, gibt er zu. Am Ende wird es die Band also doch wieder in den sicheren Hafen namens Proberaum ziehen.  

Record-Release-Party von Bullgine am Freitag, 25. September, ab 20 Uhr im Kuze, Hermann-Elflein-Str. 10. Support gibt es von New Meat, der Eintritt ist frei. 

 


6.) „friedrich“, September 2015:
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5.) „Events“, September 2015:

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4.) Radiointerview: Radio Potsdam, 16.06.2015

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3.) Radiointerview: Star FM, 29.04.2015

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2.) „Märkische Allgemeine Zeitung“, 30.12.2014:
"Märkische Allgemeine Zeitung", 30.12.2014

Die Talente zieht es in die Ferne

Für Andreas Schulze aus Locktow war es eine gelungene Rückkehr in die Heimat. „Genau an der Stelle habe ich mit meiner früheren Band ,FAD’ schon ein schönes Konzert gegeben“, erinnerte er sich. Nunmehr ist er Schlagzeuger bei der Potsdamer Band „Bullgine“.

Bad Belzig. Sie hat mit ihrem harten Rocksound beim Finale des märkischen Nachwuchswettbewerbes den dritten Platz unter insgesamt fünf Kandidaten belegt. Dabei war ihr Bassist Marcel Raven aus Preußnitz – hierzulande noch bekannt von der Formation „San Quentin“ – gar nicht dabei. Er weilt gerade in Australien.

Fazit: Gleichwohl die Jugend aus dem Hohen Fläming sich augenscheinlich heutzutage eher selten in Probekellern und auf Klubbühnen verwirklicht, gibt es doch ein paar Talente, die aber anderenorts ihr Glück suchen und finden. Das Interesse, sie wenigstens kennen zu lernen, war zumindest am Sonntagabend nicht so ausgeprägt. Kaum mehr als 150 Besucher hatten den Weg zum Endausscheid des Kontests in der Albert-Baur-Halle gefunden. Einen Tag vorher – bei der Technotanzparty des Jugendfreizeitzentrums Pogo – herrschte hingegen viermal so viel Andrang.

Warum das so ist, vermochte Peter Hauschild ebenfalls nicht zu klären. Er gehörte früher zu den regelmäßigen Besuchern von Live-Konzerten, die es bis in die 90er-Jahre im Hohen Fläming gab. Inzwischen in Potsdam daheim, reiste er als Anhänger des Trios „John Apart“ an und drückte aus familären Gründen die Daumen für dessen Schlagzeuger. Tatsächlich erhielt das Pop-Projekt nicht nur den zweiten Preis hinter „Max & the Bash“ aus Ludwigsfelde, sondern Felix Noster eine Sonderprämie als begabter Instrumentalist.

Bis die Jury ihr Urteil gefällt hatte, überbrückten Vorjahressieger Tim Schultheiß und vor allem die Stern Combo Meissen die Zeit. Sie waren alles andere als Ergänzungsprogramm. Für den Jubiläumsauftritt der Ostrocklegende hatten einige Anhänger die Anreise aus Thüringen auf sich genommen. Aus Gräben kam Viola Parker und bedauerte ebenfalls den geringen Zuspruch für das Spektakel. „Es sind so tolle Musiker“, sagt die Künstlerin, die seit mehr als drei Jahrzehnten die Karriere der Kollegen verfolgt. Der zu Jahresbeginn verstorbene Keyboarder Thomas Kurzhals hatte ihr ein Lied geschrieben. Immerhin:

„Wir haben noch nie in Bad Belzig gespielt“, bekannte Martin Schreier, der das Ensemble vor 50 Jahren mitbegründet hat und die Formulierung vom „kleinen, aber feienen Publikum“ gewiss nicht als Floskel benutzt hat.

Von René Gaffron

[http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam-Mittelmark/Talente-zieht-es-in-die-Ferne]


1.) „Events“, Oktober 2014:

"Events", Oktober 2014